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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 12. Juni 2009 von Ekkehard Knörer

Abschied von der Filmkritik
Hintergründe.

Gestern stand in der NZZ ein für meine Begriffe sehr halbgarer Text von Christoph Egger mit dem Titel "Abschied von der Filmkritik". Halbgar, weil da so alles Mögliche zum Thema durcheinanderging. Zeitungskrise, Ressentiments gegen Kulturwissenschaft, Korintenkackerei, kurzum: ein Zürcher Allerlei ohne roten Faden, ohne konkrete Verweise auf real existierende Ursachen und Debattenverläufe. Und vor allem stand da, was mal wieder unglaublich typisch ist fürs papierne Zeitungswesen, überhaupt nicht, was der eigentliche Hintergrund dieses Artikels war. Dafür muss man schon das ohnehin immer lesenswerte Schweizer Filmblog von Michael Sennhauser lesen. Darin erfährt man, dass Christoph Egger, der leitende Filmredakteur einer leider schon lange nicht mehr überzeugenden Filmredaktion,  gehen muss. Was das heißt, erläutert Michael Sennhauser:

Christoph Egger ist/war der letzte “hauptamtliche” Filmredaktor der leider bereits legendären Filmredaktion der Neuen Zürcher Zeitung NZZ. Jahrzehntelang hat er die Tradition der fachlich fundierten Kritik, des kritischen Kulturjournalismus und der sorgfältigen Begleitung des einheimischen und globalen Filmschaffens gepflegt. ...  Jetzt aber geht auch bei der NZZ eine Ära zu Ende, Christoph Egger wird frühpensioniert, die Filmredaktion der NZZ, die schon in den letzten Jahren massiv zusammengestrichen wurde, hört faktisch auf zu existieren.

Dazu passt die Meldung, dass auch Andrew Sarris, vielleicht die größte lebende Legende der US-Filmkritik, vorgestern als Redakteur des New York Observer entlassen wurde - allerdings, wird versichert, als freier Autor weiterschreiben wird. Und hier noch ein Link zu einem mir bisher unbekannten sehr schönen Text von Alexander Horwath. [via dirtylaundritwitter]


4 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Jean-Luc, 12.06.2009 13:29

    A propos Sarris:
    Die "Welt" hat ihn vor drei Monaten schon mal vorsorglich für tot erklärt:http://www.welt.de/welt_print/article3348612/Papst-der-US-Filmkritik-Andrew-Sarris-tot.html

  • Ekkehard Knörer, 12.06.2009 13:40

    Irre. Vor allem, dass der Text offenkundig noch immer unkorrigiert online zu finden ist. Andererseits: Irgendwann wird es dann ja auch stimmen. Warum deshalb hektisch werden...

    (Nur am Rande: Ich habe diese Paulette/Sarris-Kämpfe noch nie nachvollziehen können. Finde eigentlich weder Kael noch Sarris so richtig interessant. Aber gut, ist wohl eine Sache, bei der man dabeigewesen sein muss.)

  • Volker Pantenburg, 12.06.2009 15:46

    "versehentlicher Nachruf in der Welt vom 10.3.2009" (Rubrik WEBLINKS im Wikipedia-Eintrag "Andrew Sarris").

    Ich nehme an, das generiert Klicks, deshalb lassen sie's drin.

  • Jean-Luc, 12.06.2009 17:43

    Das in der Wikipedia hab ich damals verlinkt, weil ich es so kurios fand.
    Am gleichen Tag wie der Nachruf war noch ein Text von Sarris auf der Seite des NY Observer zu lesen, datiert von seinem "Todestag".
    Ich dachte, Journalisten brauchen immer zwei Quellen, erst dann wird etwas geschrieben. Komischerweise stand es damals nur in der Welt. Woher die das hatten, ist mir schleierhaft. Wenn's von einer Agentur gekommen wäre, wären andre auch drauf reingefallen.

    Zu Sarris/Kael:
    "The american cinema 1929-1968" war eines meiner ersten Filmbücher, vielleicht sogar das erste. Hab ich damals bei Walther König in Köln für 6,95 DM aus der Grabbelkiste gefischt. Inzwischen völlig zerlesen. Das ist doch wirklich immer noch recht brauchbar, finde ich.
    Kael finde ich z.t. doch recht schwer zu lesen. Sehr viele (Slang)ausdrücke, die ich nicht so parat habe und ohne die man die Artikel nicht richtig verstehen kann. Und die Artikel sind meist ziemlich laaaaang. Da lob ich mir doch die kurzen, pointierten Notizen von Sarris in dem genannten Buch.