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CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Container vom 8. Juni 2009 von Ekkehard Knörer

Badiou übers Kino
Unhaltbar.

Der linke Philosoph Alain Badiou, der in Jean-Luc Godards neuem Film Socialisme eine wichtige Rolle spielt, denkt hier über das Verhältnis von Kino und Philosophie nach. Was zum Beispiel so klingt: [via ifc daily]

Cinema simultaneously offers the possibility of a copy of reality and the entirely artificial dimension of this copy.  With contemporary technologies, cinema is capable of producing the real artifice of the copy of a false copy of the real, or again, the false real copy of a false real.  And other variations.  This amounts to saying that cinema has become the immediate form (or "technique") of an ancient paradox, that of the relations between being and appearance (which are far more fundamental than the relations everywhere exhibited between the virtual and the actual).  We can thus proclaim cinema to be an ontological art.


3 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • David Weber, 08.06.2009 12:39

    Ja. Und im direkt anschliessenden Satz des Textes wird der sehr haltbare katholische Filmtheoretiker André Bazin erwähnt:
    "Many critics, André Bazin in particular, have been saying this for a long time."

    Bazin, der zum Beispiel so klang:
    "den Gegenstand durch etwas zu ersetzen, das besser ist als eine annähernde Kopie: diesen Gegenstand selbst, doch befreit von den Zufällen seiner Zeitlichkeit. [...]

    der Mythos eines allumfassenden Realismus, einer Wiedererschaffung der Welt nach ihrem eigenen Bild"
    Usw.

    Das mit den Zufällen würde Badiou wohl anders sehen -- warten wir also gespannt auf die Ein-Wort-Benotung des anderen Platonisten.

  • Ekkehard Knörer, 08.06.2009 12:56

    Ich finde Badiou ja fast immer unerträglich, so auch hier. Das beginnt damit, dass er einen extrem engen Begriff vom Kino hat, das er als Massenkunst definieren muss, um es gegen Avantgarde-Künste ausspielen zu können. Die ganze Avantgarde-Geschichte des Kinos: fast völlig ignoriert. Das ganze steht aber de facto im Dienst eines Kunst-Elitismus, den ich nicht anders als grauenhaft nennen möchte. So Zeug steht sonst nur in der ZEIT. Perfekt dazu passt dann die Verachtung der Populärkultur (Musik: "groaning"), die nur durch Badious eigene Denkbewegung zur Satisfaktionsfähigkeit hochzuadeln ist. Das Genie des Kinos, sagt Badiou eigentlich, liegt darin, den Dreck der Populärkultur zur Kunst hinaufzubringen. Der ungemein elitäre Begriff, den sich Badiou dabei von der Kunst macht, bleibt bei dieser Denkbewegung unberührt.

  • David Weber, 08.06.2009 13:46

    Der Elitismus ist bizarr, keine Frage -- insofern würde auch eine bestimmte Berücksichtigung der Avantgarde gerade nicht helfen.
    Es gibt wohl eine Art 'konzeptionellen', 'begrifflichen' Zwangs (badiousch: "Bedingung"?) oder Klemme, die ein Denken des Neuen, insofern "Nicht-Identischen", in eine eskalierende Verachtung des Gegebenen treibt (das heisst auch: einen bestimmten Begriff des Gegebenen allererst formulieren lässt). Bei ggf. kollateral beschädigter Urteilskraft. (Adorno über Jazz das allfällige Beispiel.)

    Mich hat bloss die Auswahl des Zitats gewundert, zumal die ontologische Perspektive auf, Validierung von Bild und Film kein originärer Gedanke Badious ist -- wie er ja auch sagt.
    Generell wundert die "souveräne" Beurteilung Badious im deutschen Sprachraum. (Unwahrscheinlich, dass die Zeit da eine Ausnahme machen wird -- gemacht hat? Bin da nicht völlig orientiert ...)