Container vom 29. Juli 2009 von
Public Enemies bei CARGO
Neu im Magazin.

Am 6. August kommt Public Enemies in die Kinos. In dem neuen Film von Michael Mann, einem der innovativsten Hollywood-Regisseure der letzten Jahre, geht es um den legendären Bankräuber John Dillinger, der während der Depressionszeit zum «öffentlichen Feind» avancierte und dabei einer Institution zur Geburt verhalf: Hoovers FBI. Ein Film mit Starbesetzung - Johnny Depp spielt Dillinger, Christian Bale seinen Verfolger Melvin Purvis - und einer spektakulären High Definition-Ästhetik: Nach Collateral (2004) und Miami Vice (2006) ist Public Enemies die dritte Arbeit, die Mann als High Budget-Experimentierfeld des digitalen Kinos realisiert. Bert Rebhandl hat sich mit dem selbstsicheren Regisseur unterhalten, Simon Rothöhler denkt über einen neuen Bildtypus nach und verweist auf zwei ältere Filme von John Milius und Marco Ferreri, in denen es auch heißt: Dillinger is dead.



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Andreas B., 04.08.2009 22:53
Sehr schöner Text zum "neuen Bildtypus". Gibt einige Reflexionsanstöße und macht Lust, sich dem Film noch einmal neu und vielleicht aus anderer Perspektive anzunähern. Habe PUBLIC ENEMIES vor fünf Wochen bewusst völlig unvorbereitet, aber MIAMI VICE (und dessen Umgang mit HD) liebend, gesehen und war danach doch etwas ratlos zwischen Distanz, Faszination, Irritation und Enttäuschung. Was sich in MIAMI VICE noch gegenseitig zuarbeitete, auf vielfältige Weise zusammenwirkte, wird in PUBLIC ENEMIES, so scheint's, bewusst auseinander gehalten oder fällt auseinander. Im Text klingt das ja auch an einigen Stellen an, dahingehend bspw.: "alte Bewegungen, Gesichter, Gesten, Schnitte in einem neuen Bild" - was ich als Seherfahrung hochinteressant und hochproblematisch zugleich fand. Ich räume aber gerne ein, dass das durchaus auch in der zweifellos noch "relativ unbegriffenen" Natur dieses Films und seiner ästhetischen Strategie begründet liegt und mag mir daher auch noch nicht recht ein Urteil darüber anmaßen. So wirklich klar kam ich dennoch nicht mit dem, was ein diesbezüglich offenbar sehr ähnlich empfindender Imdb-Nutzer folgendermaßen beschrieb: "I feel I like what Mann is going for here, and he has spoken about it - that the video look gave it a real immediacy. That you feel like you're in the room with the characters. Unfortunately i felt like I was in the same room as the actors and filmmakers. Big difference." Oder anders gesagt: in einigen Szenen fühlte sich das für mich fast wie das Making-Of eines Films an - eben nicht der entsprechenden Figur oder (bewusst) dem Schauspieler zuzusehen, sondern dem Schauspieler bei seinem Versuch, die Figur zu verkörpern (oder noch mal anders ausgedrückt: eine Inszenierung nach "Kino-Konventionen", die aber nicht die ästhetische Erfassung und Transformation als "Kino-Bild", sondern eine unkontrolliertere, unkalkulierbarere Erfassung als HD/Video-Bild erfährt). Nicht uninteressant, aber in dieser Form schon befremdlich und womöglich auch so nicht beabsichtigt - und einer der Hauptgründe, warum der Film (und seine 'Unmittelbarkeit') für mich letztlich nicht oder nur partiell 'funktioniert' hat. Das scheint in dieser Ausprägung aber offenbar eine absolute Minderheitenwahrnehmung zu sein, jedenfalls habe ich diesen Eindruck bislang in fast keinem Text zum Film bestätigt gefunden. Bin trotz dieses irritierenden Ersteindrucks aber durchaus auf eine Zweitsichtung gespannt.
Gibt es eigentlich Aussagen von Michael Mann hinsichtlich präferierter Vorführformate? (Das Audio-Interview konnte ich leider noch nicht anhören.) Wer dem Aufnahmeformat so viel Aufmerksamkeit widmet, dem dürfte das Wiedergabeformat sicherlich nicht unwichtig sein. Im Dreier-Gespräch bei den Auteurs zeigte man sich ja von der 35mm-Ausbelichtung sehr angetan (was ich, bei DV mitunter aber fast noch mehr als bei HD, oft auch reizvoll finde, in diesem Fall hingegen damit nicht so ganz glücklich wurde), während Simon Rothöhler sich für die digitale Projektion ausspricht, was freilich auch erst mal naheliegender ist.