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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Anderes Kino
Container vom 28. Juli 2009 von Ekkehard Knörer

Youtube Copyright
Grau bis schwarz.

Im aktuellen Film Comment findet sich ein Artikel des argentinischen Filmkritikers Quintín über eine Internet-Filesharing-Börse, die er weder beim richtigen Namen noch bei der Internet-Adresse nennt. Sein Codewort dafür lautet "Black Crow" - jeder, der diese Börse kennt, weiß warum. Wenn er schreibt, dass es da alles gibt, was das cinephile Herz begehrt, übertreibt er weiß Gott kaum. Vor allem gibt es dort vieles, das man nirgends sonst findet; schon gar nicht legal. Er erwähnt in diesem Artikel auch, dass kaum einer seiner cinephilen Freunde dort nicht Mitglied ist. Ich kann diesen Eindruck aus dem eigenen Umfeld nur bestätigen.

Mein Eindruck ist: Auch die Zahl der cinephilen Youtube-Kanäle nimmt rasant zu. Gewiss, da wird gelöscht, einzelne Titel und auch ganze Kanäle. Nur stecken da nicht das Geld und die Energie und die Manpower dahinter, die die Industrie mit ihren Löschindustrie-Abteilungen und inzwischen auch ihrer Mustererkennungs-Löschsoftware sich leisten kann. Dergleichen ist den sich stets nach der Decke streckenden cinephilen DVD-Labels völlig unmöglich. Anspruchsvolles Kino, dessen Produktion nur bedingt irgendwelchen Marktlogiken entspricht, steckt sowies schon in einer Nische, in der sich die Mühe nur mit viel Leidenschaft, Geduld, Idealismus überhaupt rechtfertigen und/oder amortisieren lässt. (Wo ohnehin - so gut wie - kein Gewinn mehr zu machen ist, sieht die Lage übrigens entspannter aus, dazu mehr in einem Gespräch mit dem Ubuweb-Gründer Kenneth Goldsmith im nächsten CARGO-Heft.)

Schlimm ist es aber im Fall genau jener DVD-Labels, deren Arbeit wir alle so großartig finden, von Facets bis Carlotta, von Criterion bis Masters of Cinema, von Salzgeber bis Absolutmedien. Wenn das, wovon DVD-Labels leben, die in diese Nischenmärkte ihre ganze Energie stecken, dann einfach gratis und frei als Kopie auftaucht, ist das (für sie) schon eine Katastrophe. Gewiss, nicht jeder illegal online geschaute Film ist identisch mit einer nicht gekauften DVD. Gewiss, es gibt Fälle, in denen die Raukopie sogar eher Werbung macht fürs legal Käufliche. Summa summarum aber ist und bleibt es mit Sicherheit eine höchst problematische Angelegenheit. (Und wo die Verwerter leiden, leiden die AutorInnen in diesem Fall erst recht.)

Ich bin darum hin- und hergerissen in der Frage, was ich im Blog verlinke oder, meist sogar: einbette. Bei Septemberweizen (Peter Krieg) hatte ich schon ein ganz schlechtes Gewissen, weil der Film ja immer noch bei Salzgeber auf DVD greifbar ist. Andererseits bin ich natürlich begeistert, wenn Sachen auftauchen, die es sonst entweder so gut wie gar nicht oder nur ganz entlegen gibt. Meine Daumenregel war bisher, dass ich nur solche Filme hier verlinke und einbinde, die in Deutschland nicht zugleich als reguläre DVD greifbar sind. Ich bin da aber insgesamt unsicher, weniger, was das juristisch, als was das ethisch Richtige ist. Insofern wäre ich über Kommentare von Seiten der Leserinnen und Leser sehr dankbar.


8 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Thorsten, 28.07.2009 17:57

    Ich tendiere ja zu der Auffassung, so viel Geld jedes Jahr für DVDs auszugeben, dass die stillschweigende Berechtigung, hin und wieder einen Film runterzuladen, quasi enthalten ist. Gleiches würde ich für die Leser dieses Blogs vermuten, die wohl ebenso unter den besten Kunden besagter DVD-Labels zu finden sind (das ist natürlich eine durch nichts verifizierte Vermutung). Zudem finde ich es nach wie vor so unbefriedigend, Filme auf Youtube anzusehen, dass ich immer nur kurz reingeschaut habe, quasi als selbstgestalteter Teaser, um dann dankbar für den Tipp weiterzuziehen.

    Aber es ist natürlich Unsinn, aus dem eigenen Verhalten allgemeingültige Regeln ableiten zu wollen.

  • katatonik, 28.07.2009 19:42

    Youtube lässt sich wahrscheinlich unter dem Stichwort Werbeeffekt ethisch beheimaten - wegen der ohnehin nicht zufriedenstellenden technischen Qualität der Filme. (Gibt es da überhaupt Spielfilme in voller Länge? Ich habe mir einmal einzelne Serienepisoden angeschaut, und da musste man schon immer stückeln. - Und dann die DVD gekauft, weil sie eh recht günstig war und stückelfrei).

    Da die Frage war, wie es mit der Verlink- und Einbettethik steht, kann ich mir das kleine Traktat zur Filmtauschbörsenethik jetzt gottseidank sparen, hehe.

  • Ekkehard Knörer, 29.07.2009 08:11

    Danke für die Rückmeldungen.

    @katatonik: Naja, es gibt bei YouTube schon Spielfilme in voller Länge, aber halt auch gestückelt in 10-Minuten-Portionen. Über die Playlist-Funktion kann man sie aber direkt hintereinander weg spielen. Einen ganzen Spielfilm habe ich so, muss ich zugeben, aber auch noch nicht durchgehalten.

    Da hier aber kein großer Aufschrei erfolgt, halte ich es einfach weiter so. Verlinkungen/Einbettungen von Online-Versionen in Deutschland auf DVD erschienener Filme nach Möglichkeit nicht. Und sonst setze ich auf jeden Fall einen Kauf-Link für die DVD. Ins Netz gestellte Versionen noch nicht auf DVD erhältlicher Filme würde ich aber auch eher als Aufforderung begreifen, das auf die Beine zu stellen.

  • goncourt, 29.07.2009 09:21

    Etwas absurd z.B. scheint mir, dass man auf einer Website, auf der man Pasolinis "La rabbia" als DVD käuflich beziehen kann, als Kaufanreiz einen Trailer von youtube eingebunden hat, der dann aber, wenn man ihn anklickt "a causa della violazione dei termini e condizioni d'uso" inzwischen gelöscht wurde.

  • Ekkehard Knörer, 29.07.2009 09:48

    Ist alles Schizophreniemanagement in der derzeitigen Lage.

  • Axel, 29.07.2009 11:09

    Nur um diese "Umfrage" zu ergänzen, ich habe persönlich keine Probleme mit den Links zu Youtube o.ä.. Das andere (Künstler) das selbstverständlich anders sehen ist für mich kein Widerspruch. Wie bereits erwähnt ist die Bildqualität in der Regel so dermaßen schlecht das ich es selten bis über den Vorspann schaffe (bei Trailern ist das was anderes). Allerdings will ich nicht ausschliessen das zum Beispiel Youtube für viele Menschen/Cinephile die einzige Möglichkeit darstellt bestimmte Sachen überhaupt erst zu sehen. Dabei denke ich jetzt nicht so sehr an die noch unveröffentlichten Raritäten sondern an die durchaus erhältlichen "Klassiker" die für bestimmte Menschen aus unterschiedlichen Gründen nicht zugänglich sind. Aber die Argumente kennt man ja alle bereits und ich will auch gar nicht Pandoras (Video-) Büchse öffnen…
    Der Begriff "Werbewirksamkeit : Youtube" gefällt mir da ganz gut und ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen das sich auf Grund der mangelnden Bild (und Ton!!!) qualität so schnel was ändern wird.

  • jan, 29.07.2009 11:15

    von unserer seite (als anbieter u.a. vom besagten SEPTEMBERWEIZEN) sehen wir das relativ entspannt. wir glauben fest an das haptische element und den wunsch, sich geliebte und bewunderte filme in einer sorgfältigen ausgabe ins regal stellen zu wollen. darüber hinaus gehorchen auch cinephile labels den marktlogiken und machen in ihren begrenzten möglichkeiten nur umso deutlicher, was man alles nicht herausbringen kann, obwohl man möchte...
    am schlimmsten ist es, filme nicht sehen zu können. im sowohl-als-auch-fall ist es schön, auf die existenz eines dvd-angebots zumindest hingewiesen zu werden.

  • thomas, 03.08.2009 15:46

    aus london schnell die anekdote mit in den diskurs geschmissen, dass einer der hauptverantwortlichen von einem der oben aufgefuehrten labels selbst lange zeit zu den ganz grossen hamsterern in einer der cinephilen filesharingboersen zaehlte, nur um dann hinterher, mit genanntem posten, den grossen heiligen in anderen foren zu spielen und filesharing in bausch und bogen zu verdammen.

    und ich weiss von wenigstens einem film, der ohne filesharing in deutschland vermutlich nie auf dvd erschienen waere (sprich: der weltvertrieb haette spuerbar einige dollars weniger auf dem konto gehabt).

    jedenfalls mein fazit: unterstuetzung ist faellig, wo unterstuetzung noetig und gut ist. und ein original ist immer schicker. aber nicht jeder film muss auch im original besessen werden. ich schaue schliesslich auch bei freunden filme, ohne sie mir danach auch zu kaufen.