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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Container vom 21. Februar 2009 von Ekkehard Knörer

Akademische Erde
Über akademische Vorlesungen im allgemeinen und Louis Mackey im besonderen.

Die akademische Vorlesung ist ein seltsames akademisches Genre, im schlimmsten - und normalen - Fall besteht er darin, dass wenig charismatische Personen vor einer Gruppe wenig motivierter Studentinnen und Studenten stehen bzw. auf und ab gehen und Dinge sagen, die man besser formuliert und durchdachter in Büchern nachlesen kann, womöglich sogar denen derjenigen, die da stehen und gehen. Es ist darum möglicherweise ein gemischtes Vergnügen, das einem der Besuch der Seite Academic Earth bereitet; im Grund ist die Idee aber gut: Dort gibt es per Video aufgezeichnete, ganz reale und normale, nicht extra für die Aufzeichnung performte Vorlesungen von Dozentinnen und Dozenten mehr oder minder renommierter Universitäten zu sehen. 

Die Geisteswissenschaften sind bisher kaum vertreten, ich baue eine Vorlesung der an der Yale University lehrenden Englisch-Dozentin Amy Hungerford ein, in der sie über Thomas Pynchons "The Crying of Lot 49" spricht. Auf der Academic-Earth-Website sind die einzelnen Vorlesungs-Sitzungen auch einzeln abzurufen: Wenn ich eine etwas unakademische Bemerkung machen darf: Beinahe drängen sich, anders als wahrscheinlich im richtigen Leben, in der Zusammenschau Äußerlichkeiten auf, die Kleidung zum Beispiel, die von Vorlesung zu Vorlesung wechselt. (Das ganze ist als "Seminar" ausgeflaggt, aber im Grunde trotzdem eine Vorlesung.) [via zigzigger]

 

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, hier Louis Mackey ein kleines Denkmal zu setzen, dessen Vorlesung über mittelalterliche Philosophie ich in Austin 1994/5 besuchte. Er war ein charismatischer Lehrer, gewann entsprechend ständig die Universitäts-internen Auszeichnungen (was in den USA viel wichtiger ist als bei uns). Der Zufall will es, dass zwar nicht seine Vorlesungen auf Film für die Nachwelt erhalten sind, Mackey selbst aber schon. Er trat nämlich in zwei Filmen des Regisseurs Richard Linklater auf, der auch aus Austin stammt. Unter anderem in dessen erstem Werk, dem für die US-Independent-Bewegung überaus wichtigen Film Slacker.  Nicht als er selbst, sondern als ein etwas spinnerter alter Linker. (Links war er schon, spinnert nicht.) Ein weiterer Auftritt dann, rotoskopiert allerdings, in Waking Life, einem Film, den ich aber wegen seiner pseudophilosophischen Dummschwätzerei ganz unerträglich finde. (Auch was Mackey da sagt, naja - wahrscheinlich auch von Linklater geschriebener Text.) Mackey ist 2004 gestorben; Linklater hat seine Philip-K.-Dick-Verfilmung A Scanner Darkly - auch ein Film, der unter dem Linklater-Drehbuch ziemlich stark leidet -  Mackey gewidmet. Hier aber der Auszug aus Slacker, acht Minuten mit Louis Mackey:


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