Container vom 18. Februar 2009 von
Analphabetismus, historisch, sprachlich
Schlechte Ideen guter Menschen.
Zu den ganz schlechten Ideen, die man als wohltätige Organisation haben kann, gehören solche:
"Der Vorleser. Zusammenarbeit von Senator Film Verleih mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung."
Ganz schlechte Idee, weil diese verkorkste Vermischung von Analphabeten- und KZ-Wächtertum schon von Schlink her ihre nicht nur dummen, sondern auch obszönen Seiten hat. Und weil, was nicht zusammengehört, wenn es aus PR-Gründen zusammengespannt wird, sprachliche Unglücke der folgenden Art produziert:
"In Deutschland leben nach Schätzungen des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. vier Millionen funktionale Analphabeten. Noch vor fünfzig Jahren, der Zeitspanne, in der die Geschichte des VORLESERS ihren Anfang nimmt, waren geringere Kenntnisse notwendig als in unserer heutigen komplexen und mediengeprägten Gesellschaft. Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. setzt sich seit Jahren für diese stark benachteiligte Bevölkerungsgruppe ein."
Gewagte Behauptung, dass die Geschichte des Vorlesers in der Zeitspanne vor fünfzig Jahren ihren Anfang nimmt. War da als eher nicht wegzudenkende Vorgeschichte nicht eine ganz andere, eher tausendjährige Zeitspanne im Spiel, von der man von Seiten dieser Kooperationshirnlosigkeit offenbar lieber nichts wissen will? In unserer komplexen und mediengeprägten Gesellschaft hilft Lesen allein halt nicht viel. Ein bisschen Denken muss manchmal schon auch sein.
[via Pressemeldung]



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