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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 31
vom 23. September 2016

CARGO 31 Cover, CARGO 30 Cover,

Container vom 2. Februar 2009 von Ekkehard Knörer

Die wilde Punk-Dichterin
Erste Ausschnitte aus Rudolf Thomes "Pink".

Der deutsche Filmemacher Rudolf Thome ("Detektive", "Die Sonnengöttin", "Das Sichtbare und das Unsichtbare" - um jetzt mal ein ganz willkürliche Auswahl aus seinem umfangreichen Oeuvre zu treffen) hat einen neuen Film gedreht. Der Titel ist Pink. Wahnsinnig gefreut hätte Thome sich, hätte die Berlinale den Film in den Wettbewerb eingeladen, das war in seinem Online-Tagebuch, ach, sagen wir: Blog, bei Moana.de nachzulesen. Es hat nicht sollen sein. Immerhin aber läuft Pink jetzt in der in diesem Jahr als Neben-Hauptreihe oder Nebenreihen- oder Wettbewerbskonkurrenz figurierenden Berlinale Special-Reihe, in der auch der neue Chabrol, der neue de Oliveira und der neue Olmi zu sehen sein werden. Das ist ja mal schon eine Gesellschaft, in der Thome sich halbwegs wohl fühlen dürfte. Eigenhändig - das betont er -, also ohne Hilfe seiner Schnittmeisterin, hat er nun Ausschnitte aus Pink zusammen- und bei seinem eigenen Youtube-Kanal reingestellt. Thome wird dieses Jahr siebzig, aber an Technik-Aufgeschlossenheit ist ihm unter den nicht mehr ganz jungen Filmemachern wohl nur Chris Marker voraus. Hier sind die Ausschnitte und Thomes Überzeugung, dass das nun noch einmal ein ganz anderer Film sei, als das, was man zuletzt von ihm sah, teile ich, bis mich der Film dann vielleicht doch eines besseren belehrt, nicht:


14 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Solino, 03.02.2009 18:03

    Neuer Wein in alten Schläuchen
    oder
    Drei Hochzeiten und ein Todesfall
    .

    Zur Teampremiere von PINK am 30.8.2008 im Delphi-Filmpalast in Berlin
    .

    Vor Beginn der Vorführung als der 26. Film von Rudolf Thome angekündigt, der völlig anders sein sollte als die anderen 25 davor.
    „Meine Freunde die mich lieben, werden diesen Film hassen, die Kritiker, die meine Filme hassen, werden ihn lieben“. So ungefähr unterstrich Rudolf Thome seine These.

    Was war nun das neue, das radikal andere ? Der Titel PINK, wie die amerikanische Pop-Sängerin ? Eine Punk-Dichterin ist die deutsche Pink. Pink und Punk als Provokation. Schon der erste Mann schrieb an sie in einer SMS „Mein Pinkilein“. Damit war ihre Figur schon ungewollt auf den Punkt beschrieben. Sie trägt eine Waffe, hat einen Waffenschein dafür (warum eigentlich ?), trägt große Sonnenbrillen und zieht bei ihren Lesungen eine schwarze Perücke auf. Punk eben.
    Oder sind es ihre Gedichte ? Das ist Punk ? Verzweifelte Liebesgedichte eher. Publikum was stehend applaudiert. Warum wird in den kurzen Ausschnitten nie klar.
    Vielleicht ist neu die Machart, also Schnitt, Kamera, Regie ? Sehr gute Kamera, mit tollen Perspektiven im Büro des ersten Mannes, bei der ersten Lesung, tolle Einfälle in den Bildern. Aber so stellt man sich Kinobilder vor. Regie, Schauspielführung ? Texte ? Drehbuch ? Ja im letzten liegt wieder mal der Knackpunkt. Diese Texte, die da teilweise aufgesagt werden müssen, lassen selbst das Talent von Hanna Herzsprung verblassen. Diese hölzernen Sätzen, die dann beim Gegenüber manchmal nur Schweigen erzeugen, oder ihn etwas in eine ganz andere Richtung sagen lassen. Es kommt kein Spiel auf. Die Personen sind teilweise nur in die Szene reingestellt und sollen spielen. Ein Cornelius Schwalm spielt dies dann leider auch noch so nach, dass es schon weh tut. Die anderen Darsteller können sich da über ihre Spielkunst noch heraushelfen. Nur manchmal blitzt bei Hanna Herzsprung die Lust am Spiel, wenn sie zum Beispiel berechnet, wer ihr erster Mann werden soll. Keine der Figuren nimmt einen mit, viel zu schnell wird die Erzählung abgebrochen. Alles nur Stückwerk, zusammengesetzte Szenen.
    Was beschreibt oder erzählt der Film ? Eine Dichterin, die auch eine Studentin sein könnte, die in ihrer Freizeit gern was aufschreibt, will heiraten und hat drei potentielle Kandidaten. Sie vergibt ihnen Punkte nach verschiedensten Kriterien. Den mit der höchsten Punktzahl heiratet sie. Sie verlässt ihn aus Einsamkeit, er bringt sich um. Der mit der zweithöchsten Punktzahl betrügt sie irgendwann nach der Heirat, sie trennt sich, und nachdem sie den dritten geheiratet hat, bekommt sie mit ihm ein Kind und ist glücklich. PUNK!
    Ein wenig neu ist die Kürze des Films: 82 Minuten. Auf elend lange Einstellungen wurde verzichtet, sie sind nur noch an einigen Stellen lang. Morgens beim Eierkochen, im Bettliegen, Zugfahren… Okay, das kann man so machen und bringt Ruhe in die ganze „Hektik“.
    Es fehlt der Spannungsbogen, das Sinngebende das Filmmaterial zu belichten, das was einen noch Stunden oder Tage an einem Film hängen lässt. Wenn man dann „4 Minuten“ mit Hanna Herzsprung gesehen hat, oder „Kirschblüten“ mit Elmar Wepper weiß man sofort, warum Dieter Kosslick und alle anderen Jurymitglieder PINK nicht zur Berlinale in den Wettbewerb lassen. Diese Mach- und Erzählart der Filme ist seit mindestens 10 Jahren tot und wird immer als Autorenfilm um 0:40 Uhr in der ARD laufen. PINK hätte anders, radikal und krass sein müssen, in jedem Bereich. Pink ist hier nur das Gemale mit dieser Farbe auf Spiegeln als Abschiedsbrief.
    Der Film hätte „GRAU – Aus dem Leben einer Hobbydichterin“ heißen müssen.
    Wieder mal schade.

  • Ekkehard Knörer, 04.02.2009 10:02

    Ich habe auch meine Probleme mit Thomes mittlerem bis späterem Werk, aber darin, dass es zu wenig Doris Dörrie nacheifert, bestehen sie nun nicht. Auch sonst scheint mir Ihre Kritik voller ideologischer Vorannahmen zu stecken, wie ein Film auszusehen hat und wie nicht. Dass einen Figuren "mitnehmen" müssen (wohin?) - ich wüsste nicht, wo das geschrieben steht. Dass Drehbuchsätze Vorlagen sein sollten für "Spielkunst" - das klingt doch sehr bedenklich. Es kann nur sinnvoll sein, scheint mir, das Thome-Projekt (und allein, dass es da ein gegen alles Desinteresse einer breiteren Öffentlichkeit verfolgtes Projekt gibt, ist schon mal großartig) von seinen eigenen Ambitionen her zu beurteilen, nicht von den eigenen Vorurteilen gegen das, was dann pauschal "Autorenfilm" heißt.

  • Solino, 04.02.2009 12:17

    Ja vielleicht waren die Erwartungen vom "radkal neuen" Thome-Film zu hoch. Aber warum sind es ideologische Vorannahmen, wenn man grundsätzliche Dinge in einem Film erwartet (gute Schauspieler, gutes Drehbuch, gute Regie,...) ? Damit ist ja noch nichts in ein Schema gepresst. Und dass einen Figuren in welcher Richtung auch immer berühren ("mitnehmen" im übertragenen Sinne) sollte ja wohl zu den simpelsten Dingen des Filmemachens gehören. Oder entfällt dies alles beim "Autorenfilm" ? Ich will da gar nicht auf dem Begriff rumreiten, aber durch irgendwas muss er sich ja vom "Mainstream" unterscheiden.

  • Ekkehard Knörer, 04.02.2009 12:50

    Nun, die Vorannahmen liegen gerade darin, was "gut" ist. Pointiert gesagt: Eine "schlechte" Schauspielerleistung kann im richtigen Kontext "gut" sein. Die Anführungszeichen setze ich, weil dann, denkt man an Robert Bresson zum Beispiel, dieses "gut" oder "schlecht" gar keinen Sinn mehr hat. Dessen Darsteller sind keine "guten" oder "schlechten" Schauspieler: Er setzt sie auf eine bestimmte Weise ein und ihr Spiel ist eine reine (und eben doch nicht: reine, darauf muss man beharren) Funktion dieses Einsatzes.

    Was dann "gutes" Schauspiel heißt und Preise gewinnt, ist oft genug nur eine Virtuosenveranstaltung, die von der Ideologie ausgeht, dass Darsteller in Rollen "schlüpfen", eine Figur "verkörpern" etc. Was ein Quatsch ist, das sind ja alles Metaphern; und es kann immer, je nachdem, auch gerade "gut" sein, eine Distanz spüren zu lassen zwischen Rolle und Darstellerin. Und so weiter...

    Ob einen eine Figur "berühren" muss, weiß ich auch nicht. Bzw.: Wie denn? Und wo denn? Am Kopf, am Herz, an den Eingeweiden, an den Genitalien? Und mitgenommen werden will ich auch nicht in jedem Fall. Es kann auch sehr schön sein, in Ruhe und auf Abstand gelassen zu werden mit vielem. Gefühle habe ich zum Beispiel selber, die muss mir kein Film machen wollen.

    Und was heißt "gute" Regie? Möglichst manipulativ? So dass es einen packt? Ist das wirklich "gut", wenn einen ein Film packt? (Und, wiederum, wo? Ich möchte zum Beispiel nicht in jedem Fall gepackt werden. Von einem Film so wenig wie von einem Kerl, der auf der Straße dahergelaufen kommt.)

    Und so weiter. Es scheint mir, dass Sie immer schon wissen, was "gut" ist. Ich weiß das aber nicht, wirklich nicht - ich denke sogar, dass das ein wichtiger Kunst ist: Sie fällt nicht in Schubladen, sondern führt, wenn sie gelingt, vor, dass keine Schublade passt. Schon gar nicht eine extrem simplifizierende Entgegensetzung von "Autorenfilm" und "Mainstream".

  • Ekkehard Knörer, 04.02.2009 14:25

    im letzten Absatz hätte es ungefähr heißen sollen "... dass das ein wichtiger Punkt bei jeder Kunst..." ist, oder so; habe das ein paarmal umgeschrieben und sowas kommt dann dabei raus

  • Solino, 04.02.2009 14:55

    Dann wäre also der Deutsche Filmpreis nur eine kommerzielle Witzveranstaltung? Da werden dann auch noch die "Besten" Schauspieler, Filme, Regisseure,... prämiert. Kann man nach ihrer Argumentation dann ja nie herausfinden, denn in jeder Fehlleistung steckt dann ja vielleicht auf einer anderen Metaebene die hohe Kunst.
    Mein "gut" ist natürlich absolut subjektiv, wie jede Filmkritik. Wobei ich sagen muss, dass mein erster Beitrag natürlich keine Filmkritik ist, sondern nur das, was ich als Kinozuschauer bei dem Film gesehen habe (auch im Rückblick auf mindestens 6 der letzten Thome-Filme).
    Es gibt sogar "herausragend": Hannah Herzsprung in "Vier Minuten". Deswegen geht man ins Kino! Und seltsamerweise hab das nicht nur ich so gesehen.
    Was ist Kino(film)? Zwei Stunden mit anderen in einem dunklen Raum sitzen und vorne flimmerts. ;-) (Hab ich heut gelernt) :-)

  • Rudolf Thome, 04.02.2009 15:35

    Nur zur Information: am 3. November 2008 schrieb mir Dieter Kosslick: "Hannah Herzsprung ist wirklich toll als PINK" und hat mich zum Film beglückwünscht.

  • Ekkehard Knörer, 04.02.2009 17:55

    @solino: "Dann wäre also der Deutsche Filmpreis nur eine kommerzielle Witzveranstaltung?"

    Na, was haben Sie denn gedacht? Aber im Ernst. Natürlich haben solche Veranstaltungen ihre absurde Seite, weil ja doch ständig Äpfel mit Birnen verglichen und dann immer nur die appetitlichen mit den roten Bäckchen genommen werden. Ganz abgesehen davon, was überhaupt in Erwägung kommt, wer auswählt etc. pp. Subjektiv daran ist vor allem, dass niemand belastbar begründen muss, was er/sie da treibt, warum er/sie da nominiert oder nicht etc.

    "denn in jeder Fehlleistung steckt dann ja vielleicht auf einer anderen Metaebene die hohe Kunst."

    Dann wäre es aber keine Fehlleistung. Und wenn Sie glauben, dass das, was jemand für eine Fehlleistung hält, in Wahrheit eine Kunst ist, dann müssen Sie nur eines tun: begründen, warum das Ihrer Meinung nach so ist. Subjektiv ist das nicht, weil Sie sich ja, sobald Sie begründen, zumindest dem Prinzip nach auf allgemein geteilte oder jedenfalls verständlich zu machende Argumente und Begründungsmuster berufen. (Holla, ich klinge wie Habermas, da muss jetzt auch irgendwie was schief gegangen sein...)

    "Vier Minuten" habe ich nicht gesehen, da haben mir Leute, denen ich vertraue, sehr abgeraten - darum kann ich dazu nun nichts sagen.

    @Rudolf Thome: Dieter Kosslick ist nun nicht das Maß der Dinge für mich, was die Beurteilung von Schauspielleistungen angeht (oder von sonst irgendwas). Ich glaube aber gern, dass Hannah Herzsprung toll ist in Pink. Ich will es mir auch ansehen. Ich gehe übrigens jedes Mal, anders als Sie glauben, wieder mit Vorfreude in einen neuen Film von Ihnen. Und es gibt da auch immer manche Szene, die mir gefällt, mit der ich von Herzen einverstanden bin. Es gibt aber oft eben zu viele andere Szenen. Ich bin dann nur sozusagen ein enttäuschter Liebhaber, was etwas anderes ist als jemand, der es von vorneherein gewusst hat, dass er es nicht mag. (In dem Sinn auch mein Vorab-Kommentar zu Pink: Ich erkenne da gleich den Thome, den ich kenne; im Ton, in den Sätzen, in den Bildern. Das war nicht als negatives Vorwegurteil gemeint.)

  • Solino, 04.02.2009 20:09

    Ja dann wünsche ich einen freudigen berührungslosen ungestörten Kinoabend, lieber Herr Knörer. Danach läßt sich sicher besser weiterschreiben, denn den Film muss man dafür gesehen haben.
    Ansonsten driften wir hier immer mehr in Grundsatzdiskussionen ab. Wobei es mich schon interessieren würde, ob sie jede Preisverleihung ablehnen oder jede Auswahl zu einem Festival, denn man muss sich ja festlegen.
    Wenn sie Leute kennen, die ihnen bei "Vier Minuten" sehr abraten, dann sollten sie mal ihre Leute hinterfragen *scherz* :-)
    Wahrscheinlich werden sie aus diesem Grund auch "Hanami" verpasst haben?

  • Ekkehard Knörer, 04.02.2009 20:26

    Ah, sehen Sie, gestört werde ich dann doch wieder gerne. Lieber als berührt jedenfalls. (Möchte doch lieber, bevor ich jetzt schon wieder kein Herz habe, ausdrücklich anmerken, dass es eher Metaphernkritik war, worum es mir da ging.)

    Und, oh doch, "Hanami" habe ich mit eigenen Augen gesehen, wenngleich nicht zu Ende, zu arg war dieses Verbrechen an der Filmkunst im allgemeinen und an Ozu im besonderen.

  • Solino, 14.02.2009 10:14

    Eine der wenigen noch erschienen Kritiken:

    http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-b...

    Patrick Wellinski von Filmscene.de hat das, was ich in meiner Filmeinschätzung schrieb natürlich viel schöner formulieren können, kam aber zum gleichen Ergebnis.

    Lieber Rudolf Thome, vielleicht den Abstand zum eigenen Werk mal vergrössern und wirklich sehen was man geschaffen hat.
    Vielleicht auch die Arbeitsweise mal ändern um wirklich was radikal Neues zu erschaffen (Stichwort Drehbuch in 14 Tagen schreiben; ich glaube das hat noch nie was gutes ergeben, dieser Zeitdruck von der Idee zur Story).
    Sie möchten Aufmerksamkeit, Zuneigung, Begeisterung von Kritik und Publikum, aber dafür sind ihre Themen einfach ein zu normaler Blick auf die Wirklichkeit, zuviel Normalität. Da interessieren sich dann eben nur 1000 Leute (Filmkunstfans) für...
    Nichts für ungut, aber einfach mal vieles in ihrer Filmarbeit hinterfragen, umdenken und wirklich radikal anders sein. Der nächste Film ist die Chance :-)

  • Ekkehard Knörer, 14.02.2009 10:50

    Lieber solino - selbst wenn ich "Pink" nicht wirklich großartig fände (und das tue ich, dem hoch geschätzten Diedrich Diederichsen zum Trotz): der herablassende Tonfall ihres Postings ist eine dümmliche Unverschämtheit. Damit genug.

  • Solino, 14.02.2009 11:04

    So ist das, wenn man Kommentare zulässt. Da melden sich dann die Dummen, Ahnungslosen, Unverschämten, die Nicht-Filmversteher....
    Ich kann den Tonfall bei mir so offensichtlich nicht feststellen, aber okay.
    Es waren nur konstruktive Kritiken und Hinweise an den verwunderten Rudolf Thome.
    Mehr nicht. Damit genug.

  • Solino, 14.02.2009 11:10

    Nur eine Korrektur:
    www.Filmszene.de (Patrick Wellinski)