Container vom 10. August 2009 von
Zahlen, Projekte
Apatow, Bigelow.
Judd Apatows Funny People, der bei uns erst am 17. September startet, ist nach einem schon durchwachsenen ersten Wochenende in den USA in der zweiten Woche regelrecht abgestürzt. Er spielte erstaunliche 65 % weniger ein (das sind noch 7,9 Mio Dollar) als zum Start. Enthusiastisch reagierte das Publikum sowieso eher nicht, vor allem aber war dessen weiblicher Teil mal wieder überhaupt nicht zu begeistern. Da das Werk kapitale 75 Mio Dollar teuer war, dürfte das der erste recht massive Flop für Apatow werden. (Adding insult to injury: Der konservative Kolumnist der New York Times verteidigt als einer der wenigen recht enthusiastisch den Film.) Bei CARGO gibt es im nächsten Heft - das Anfang September kommt - etwas zu Apatow und auch Funny People. (Spoiler: Ich mochte den Film.)
Gute Nachrichten dagegen für die Cover-Woman des noch aktuellen Hefts. Kathryn Bigelows The Hurt Locker hat mit seinem Einspiel von bislang 9 Mio Dollar in sieben Wochen die allerdings nicht sehr hohen Erwartungen deutlich übertroffen. Wobei hier offenbar die jungen Leute nicht in die Kinos strömen, was bei Roger Ebert einen kulturpessimistischen Anfall ausgelöst hat. Auch das nächste Bigelow-Projekt ist jetzt unter Dach und Fach. Sie arbeitet wieder mit Mark Boal zusammen, der schon das Drehbuch zu Hurt Locker schrieb. Viel versprechender Titel des nächsten Films: Triple Frontier. Es geht um Drogengeschäfte und lebensgefährliche Verhältnisse im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay. Dort dreht, das ist der Variety-Meldung auch zu entnehmen, demnächst José Padilha, Regisseur von Tropa de Elite, ebenfalls seinen nächsten Film. Titel: A Willing Patriot.
[Mehr oder weniger alle Hinweise via auteursdaily-Twitter]



2 Kommentare. Kommentar hinzufügen
Robin, 10.08.2009 22:44
Wie, bitte, kann man Apatows Filme denn so grotesk missverstehen wie Ross Douthat in der NYT: "Knocked Up" als Anti-Abtreibungsfilm, "40-Year Old Virgin" als Plädoyer für Jungfräulichkeit und jetzt "Funny People" als sündentheologisches Exerzitium, das in seinem Konservatismus aber leider zu radikal ist für das US-amerikanische Massenpublikum? Der Film ist doch viel näher an so etwas wie "Observe & Report" und wird von Apatow selbst als Rückkehr zum "semi-dark look" von Freaks & Geeks beschrieben ("Let the awkwardness begin", sagt die Sandler-Figur an entscheidender Stelle und gibt dem Film damit eine Art Motto). Da wirkt die Kleine-Sünden-straft-der-liebe-Gott-sogleich-Lesart des eigentlich für die National Review schreibenden Douthat (what a name) selbst eher wie ein Beitrag zum als über den Film.
Kai, 11.08.2009 02:08
So gut mir die Arbeiten aus der Apatow-Fabrik gefallen, so wenig lässt sich imho abstreiten, dass sie mitunter ziemlich moralisierend konservativ sind. Kaum eine Folge von "Freaks & Geeks" etwa, in der nicht beide Zeigefinger geschwungen werden, wenn es um Sex, Alkholol oder Gehorsam gegenüber den Eltern geht (extrem unangenehm z.B. die Folge, in der Sam Levines cooler, unorthodoxer Dad sich -natürlich- als gemeiner Seitensprüngler entpuppt). Dagegen wirkt "90210" (das Original) bisweilen regelrecht subversiv. In "Superbad", der Kinoversion von F&G, verhält es sich kaum anders.
Wie gesagt: ich mag die Filme sehr. Aber das ändert nichts an ihrer konservativen Moral. ("Funny People" hab ich noch nicht gesehen)
Grüße,
kai