Container vom 9. August 2009 von
Welles, Losey: Fundstücke
Anfänge.
Im Rahmen der New-Deal-Anti-Depressions-Maßnahmen hatte die Roosevelt-Regierung auch das Federal Theater ins Leben gerufen, und zwar im Jahr 1935. Ein umstrittenes Projekt, nicht zuletzt, weil da teils sehr explizit linkes Theater gemacht wurde. Eine prominente Gruppe des Federal Theater war die sogenannte Negro Theater Unit, die in Harlem Stücke zur Aufführung brachte. Gründungsdirektoren waren allerdings zwei Weiße: John Houseman und der damals gerade 21jährige Orson Welles. Letzterer hatte auch gleich eine grandiose Idee. Ich zitiere zu den Hintergründen, was läge näher, aus Bert Rebhandls Welles-Biografie:
Während das riesige Lafayette Theatre an der 7th Avenue in Harlem für ein afro-hispanisches Ensemble adaptiert wurde, wie es im amerikanischen Theater noch keines gegeben hatte, gebar Orson Welles eine Idee, an der seine Frau Virginia nicht unbeteiligt war: Er wollte Shakespeares 'Macbeth' in einer haitianischen Version spielen, als Tragödie des herrschers Henri Christophe, der im 19. Jahrhundert auf der Karibikinsel ein bizarres Königreich errichtet hatte. Der Exotismus dieser Idee war im Jahr 1936 kein Problem, im Gegenteil: Zu den Proben fanden sich nicht nur Schauspieler, sondern auch Tänzer und Trommler ein und sogar ein Schamane ('Hexer') namens Abdul. Als Szenenbild wurde eine Zitadelle im Dschungel entworfen. Der notorisch unzuverlässige Hauptdarsteller John Carter fand in Welles einen ebenbürtigen Freund. Geprobt wurde in einer Atmosphäre der Euphorie und angespannten Erwartung. Der 'Voodoo-Macbeth' wurde ein Triumph.
Unter dem Titel "We Work Again" entstand im Jahr 1937 ein Dokumentarfilm zu den New-Deal-Programmen der Regierung. Darin enthalten ist eine mehrminütige Aufnahme der Wellesschen 'Macbeth'-Inszenierung. Hier ist sie:
Ein weiterer später im Film zu Ruhm gelangender Regisseur, der sich beim Federal Theater Project erste Sporen verdiente, war Joseph Losey - sehr viel mehr als Welles ausgesprochen ein Mann der Linken. Zu den Kuriositäten seiner an Zick-Zack-Bewegungen durchaus reichen Karriere gehört es, dass der erste Film, den Losey drehte, ein Propagandafilm war. Freilich nicht für ein linkes Projekt, sondern als kein bisschen subversive Auftragsarbeit für die US-Petroleum-Industrie. Die Arbeit mit dem Titel Pete Roleum and his Cousins wurde 1939 fertiggestellt und ist aus filmhistorischen Gründen sehr interessant. Es ist nämlich ein Animationsfilm, in innovativer 3-D-Technik erstellt. Für die Animation war kein Geringerer als der große Charles Bowers zuständig. Den Schnitt machte Helen van Dongen, die Frau und Mitarbeiterin von Joris Ivens. Die Musik ist von Hanns Eisler. Losey zeigte sich begeistert und stellte bei der Rockefeller Foundation einen Antrag für einen ganzen Spielfilm - The Tale of Reynard, the Fox - in derselben Animationstechnik. Daraus wurde nichts. Und aus Losey wurde auch so etwas im Film. Hier ist Pete Roleum:
Pete Roleum and His Cousins (1939)
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