Container vom 7. August 2009 von
Auf nach Dresden
Digitale Avantgarde nur im Osten.
Hier eine traurige Mitteilung für Freunde werktreuer Aufführungen, die aber trotzdem nichts mit Daniel Kehlmann zu tun haben wollen: Auf Nachfrage bestätigt der Verleih, dass Public Enemies nur in einem einzigen deutschen Kino digital projiziert wird und zwar in Dresden, im Rundkino. Erstaunlich und bedauerlich ist das schon, zumal alle Pressevorführungen auf Michael Manns Direktive hin digital waren und das in dem Fall kein gradueller sondern ein kategorialer Unterschied ist. (Gegen Dresden spricht allerdings, dass der Film dort in der deutschen Fassung gezeigt wird, was ja meistens auch mit ziemlich groben Eingriffen in die Tonarchitektur einhergeht, von den Synchronstimmen usf. mal ganz abgesehen).



24 Kommentare. Kommentar hinzufügen
Ralf Möller, 07.08.2009 15:46
Leider war aber auch die Pressevorführung in Hamburg und soweit ich weiß in Düsseldorf auch 35 mm.
Es ist wirklich ein Ärgerniss.
neuronal, 07.08.2009 17:24
Da war ich gestern drin, im Rundkino - obwohl ich keine Ahnung hatte, dass er NUR da digital gezeigt wird - und der Film sah wirklich unfaßbar gut aus. Kleinere Reisen könnte man dafür ruhig in Kauf nehmen - die Irritationsphase, in der man an den Bilddetails hängenbleibt und Zusammenhang und Dialoge nicht mehr wahrnimmt, blieb natürlich nicht aus.
Bei der Synchro fiel speziell (mehr als sonst) negativ auf, dass Johnny Depp die normale Synchronstimme von Christian Bale verpasst wurde - bißchen desorientierend. (Handwerklich aber - ohne jetzt das Original zu kennen - okay synchronisiert. HD wirft da trotzdem ein Problem auf: Lippensynchronizität ist scheinbar deutlich schwerer herzustellen.)
Andreas B., 08.08.2009 04:42
Hm, die Verleihangaben scheinen so aber nicht zu stimmen. Zumindest zeigen laut eigenen Angaben mindestens noch das Gloria/Cinema Stuttgart (http://www.innenstadt-kinos.de/de/programm_ti...) und das Cinecitta Nürnberg (http://www.cinecitta.de/main.html - übrigens gleicher Betreiber wie das Rundkino Dresden) den Film in digitaler Projektion. Allerdings auch beide in deutscher Fassung. Womöglich gibt es also die Kombination OV und Digital deutschlandweit nicht... Noch nicht einmal im technischen (OV-)Vorzeigekino Cinema München, bei denen ich eigentlich fest damit gerechnet hatte. Das ist schon ärgerlich. Die Ironie an der Sache: gerade beim Rundkino Dresden (das meines Wissens erste ausschließlich digital projizierende Kino Deutschlands) ist es um die Werktreue zum momentanen Zeitpunkt bei der Mehrheit der Filme eigentlich zwangsläufig eher schlecht bestellt (immerhin wird momentan noch mehrheitlich auf 35mm gedreht, was dann auch so projiziert werden sollte), während es im vorliegenden Fall wiederum genau umgekehrt ist. Und noch eine bittere Ironie: wie es scheint, wird in zwei Wochen dann "Inglourious Basterds" in mehr Kinos digital gezeigt als jetzt "Public Enemies" - was doppelt und dreifach absurd ist, weil es nicht nur der gleiche Verleih ist, sondern Tarantino auch noch erklärter Digital-Gegner ist und wie kaum ein anderer Regisseur ganz bewusst mit Filmmaterial arbeitet...
Die Anmerkung zu den digitalen Pressevorführungen ist interessant, und klärt dann auch meine vermutlich sowieso reichlich überflüssige Frage an anderer Stelle. Umso seltsamer, dass die Deutschlandpremiere von "Public Enemies" beim Filmfest München als 35mm-Projektion stattfand. Wirklich irrwitzig, wie an den falschen Stellen auf Digital gesetzt wird, es dann aber, wenn's wirklich mal sinnvoll wäre, scheinbar plötzlich keinen interessiert...
thomas, 08.08.2009 13:40
@neuronal
just to keep it straight: johnny depp und christian bale werden üblicherweise beide von dem sprecher david nathan synchronisiert. da in dem film beide schauspieler auftreten, spricht nathan hier nur johnny depp. dieser hat also keineswegs die synchonstimme von christian bale "verpasst bekommen", vielmehr hat bale diesmal ausnahmsweise einen anderen sprecher.
grüße
thomas
neuronal, 08.08.2009 22:19
@Andreas B.
Das Rundkino hat den wohl wirklich nur deshalb digital projiziert, weil es eben nicht anders ging. Man sieht sich wohl eher als Abspielstätte für 3D-Spektakel (ist ja sicher auch schön). Die Besonderheit der Aufführung wurde nirgends irgendwie herausgestellt oder gar beworben.
@thomas
Danke für die Information, dann ist die Synchro natürlich entschuldigt. Vielleicht klang David Nathans Stimme hier mehr nach seinem Bale, weil es eine für Depp-Verhältnisse eher nüchterne Rolle war.
Wenn er richtig virtuos wäre, hätte er natürlich beide gesprochen...
alex, 08.08.2009 23:31
Auch die ideale Kombination scheint es zu geben: Den Angaben auf ihrer Homepage zufolge zeigt die Schauburg in Karlsruhe den Film sowohl in digitaler Projektion als auch im Original mit Untertiteln! (http://www.schauburg.de/)
Thorsten, 09.08.2009 10:59
Die Pressevorführung in Köln war ebenfalls keineswegs digital. Außer von Berlinern habe ich bisher noch von keiner solchen gehört. Was aber weniger schlimm ist als neulich die PV zu Chérie, da hatten sie nämlich zwei Rollen vertauscht und die Chronologie reichlich durcheinander gebracht. Bin gespannt, ob die Kritiken in der Kölner Presse nun anders klingen werden als im Rest der Republik …
David Weber, 09.08.2009 11:47
Nachdem mich Simons Meldung am Freitag auf eine unerhörte Hass-Schleife geschickt hatte, hier jetzt, Achtung, die unerhörte Nachricht: Eben zwei Mal mit dem Cinestar Sony Center Berlin gesprochen: Sie versichern glaubhaft, dass PUBLIC ENEMIES im Cinestar 7 (sieben) in digitaler Projektion und OV gezeigt wird (sie sind sich wirklich sicher: Cinestar 5 und 7 sind ihre "Digital-Kinos"); dagegen wird im Cinestar 8 PE von 35mm gezeigt.
Dies heisst in Anfangszeiten (vorläufig bis einschliesslich Mittwoch): 14.15h, 22.25h (22.25h nicht am Montag, da gibt es keine Spätvorstellungen).
Ist das nicht schön?
PS: In Stuttgart zeigt das Gloria und das Cinema PE digital, aber offenbar in synchron:
http://www.innenstadt-kinos.de/de/programm_ti... .
Kai, 09.08.2009 12:01
Die PV in Frankfurt war ebenfalls analog. Ich glaube allerdings nicht, dass der Film mir in digitaler Aufführung besser gefallen hätte (das Drehbuch wird dadurch nämlich nicht besser; und wenn es um Projektion geht, bin ich ähnlich konservativ wie einst Godfrey Cheshire...wie prophetisch sein "Death of Film"-Essay war, zeigt sich erst jetzt, 10 Jahre später).
Jedenfalls würde mich etwas anderes sehr interessieren: finden die PVs in Euren Städten i.d.R. in OV oder DF statt? In Frankfurt läuft gerade ein kleiner Krieg unter den Kollegen, weil die eine Fraktion die Zunahme der PVs in DF begrüßt ("das ist schließlich die Fassung, die auch unsere Leser sehen"), während die anderen (mich eingeschlossen) sich bitter darüber beklagen.
Grüße
Ekkehard Knörer, 09.08.2009 12:16
Na, da weiß offenbar die linke Hand wirklich nicht, was die rechte tut oder lässt. Daraus schließen kann man vor allem, dass es den Beteiligten offenbar eher wurscht ist, was sie da wie projizieren.
Wegen der PVs in Berlin: Es gibt bei den Hollywood-Filmen nicht selten zwei, eine eher früh angesetzte in OV und dann die DF recht kurz vor Start. Ausnahmen von der Regel, die eh keine ist, jederzeit möglich. Auch Ankündungen von DF-PVs, die dann OV sind - und umgekehrt.
Ich kenne nur Leute (und KollegInnen), die synchronisierte Fassungen hassen. Mir geht's auch so.
@ Kai: Mein einziges Problem mit dem Film ist auch das Buch. Dass es in digitaler Vorführung besser - weil unwichtiger - wird, glaube ich freilich schon.
Ekkehard Knörer, 09.08.2009 12:26
@Thorsten: Ah, Cheri, alles, was diesen Film zerstört, kann ihn nur besser machen.
Kai, 09.08.2009 12:44
2 PVs zu einem Film?! Welch ein Luxus!
Als die FAZ und die FR ihre Filmredakteure noch in Frankfurt sitzen hatten, gabs das hier auch noch manchmal. Inzwischen werden viele Filme hier *gar nicht* mehr gezeigt, mangels relevanter Medien und Autoren. Naja, so wird man wenigstens wieder auf den Teppich geholt, hahaha...
Wieauchimmer: werde versuchen, PE nochmal in DP zu schauen, vielleicht gehen mir dann die Augen auf.
Grüße!
Andreas, 09.08.2009 14:10
Auch wenn es auf der Kino-Website nicht so vermerkt ist: Ich habe den Film gestern Abend im Münchner Cinema gesehen, und das war nach meinem Eindruck ohne jeden Zweifel eine digitale Projektion. Habe bei mir auch den Effekt beobachtet, dass ich kaum auf den Inhalt achten konnte, da ich von der Oberfläche derart fasziniert war...
Andreas B., 09.08.2009 19:48
@Andreas
Kann ich mir eigentlich kaum vorstellen, oder es weiß auch im Cinema die linke Hand nicht, was die rechte tut. Vorgestern bestätigte man mir jedenfalls auf telefonische Nachfrage, dass der Film dort analog gezeigt wird. Allerdings sind die 35mm-Projektionen im Cinema überwiegend wirklich hervorragend (kein Vergleich zur ärgerlichen 35mm-Schlamperei in vielen Multiplexen), so dass man den Unterschied womöglich tatsächlich kaum merkt.
Generell scheint bislang kaum jemand den Film sowohl analog als auch digital gesehen zu haben. Einzige mir bekannte diesbezügliche Äußerung auf Rezipientenseite ist die von Ryland Walker Knight im "Frontiers of Extinction"-Gespräch bei TheAuteurs.com, der sich interessanterweise ja wiederum sogar für die analoge Variante ausspricht: "In fact, I think the film improves when projected on 35mm — if only, though not only, for the simple fact that emulsion lends a texture that digital's clarity lines out towards a stricter representational drive. The 35mm transfer makes that document an expression, makes the film more affective."
Interessant in diesem Zusammenhang auch die Aussagen von Co-Producer Bryan Carroll (http://www.studiodaily.com/main/topstory/1104... "I would love to release the movie only digitally, but we still have a lot of theatres that want film. It’ll never be exactly the same on film. But we get it 99.9 percent of the way there with massive testing. [...] The original LUTs are developed during the testing period and then adapted throughout the entire process. We continue to modify them until we see whole reels printed out, so we modify them scene-by-scene."
Macht aber im Grunde nur neugieriger heraus zu finden, wie groß der Unterschied denn letztendlich wirklich ist.
Andreas B., 09.08.2009 20:18
Der letztgenannte Link wurde von einem nachfolgenden (seinerseits auch verschluckten) Doppelpunkt demoliert, daher für Interessierte nachgereicht: http://www.studiodaily.com/main/topstory/1104...
Andreas, 09.08.2009 20:22
Nun gut, der Aussage der Cinema-Mitarbeiter sollte man natürlich eigentlich eher trauen können als einem rein subjektiven Sichtungseindruck; allerdings habe ich im Cinema schon hunderte (in der Tat zumeist exzellente) 35mm-Projektionen und einige Digital-Projektionen gesehen, und ich bilde mir ein, den Unterschied sehen zu können. Und das eben noch nie zuvor so deutlich wie gestern, wobei mir aber natürlich ein direkter Vergleich bei diesem konkreten Film fehlt.
Bin jetzt auch etwas ratlos. Da das Cinema mit seinem nur einen Saal den Film ja auch nicht täglich spielt, frage ich mich gerade, ob es denkbar ist, dass in seiner dreiwöchigen Laufzeit verschiedene Kopien zum Einsatz kommen...?
Andreas B., 09.08.2009 21:03
Verschiedene Kopien im gleichen Kino halte ich in diesem Fall für ausgeschlossen - falls das Cinema eine digitale Kopie hätte, würde man bestimmt nicht zusätzlich eine 35mm-Kopie einsetzen und der Verleih wäre schon aus Kostengründen garantiert auch nicht bereit, an ein Ein-Saal-Haus zusätzlich eine solche zu liefern.
Steht also Sichtungseindruck gegen Mitarbeiteraussage (die aber womöglich auch nur auf dem fehlenden Digital-Vermerk im Programm beruht, so ganz verlässlich ist das auch nicht unbedingt). Schon sehr unerfreulich, diese ganze Undurchsichtigkeit. Klarheit könnte da wohl nur der Verleih selbst schaffen, aber der legt darauf ja offenbar keinen Wert...
simon rothöhler, 10.08.2009 08:48
tja, im cinestar 7 am potsdamer platz läuft der film, wie wir gestern abend feststellen mussten, dann doch nicht in digitaler projektion. vermutlich gibt es dann ohnehin noch mal abstufungen, je nachdem wie lichtstark der beamer ist usf. man sieht natürlich auch in der 35mm-kopie, dass der film auf high definition gedreht wurde (und es gibt ein zwei szenen, allerdings nur bei außenaufnahmen im ersten drittel, die zumindest in die richtige richtung deuten). die differenz ist aber letztlich noch viel größer, als ich mir das vorstellen konnte (@andreas b.: rylands argument kann ich nicht mal im ansatz nachvollziehen).
Katrin , 10.08.2009 09:32
Die Projektion im Rundkino war enttäuschend. Saal 5: Kleine Leinwand, schlechter Ton, deutsche Synchro, schlechte Bildqualität. Kann nicht empfehlen, den Film dort zu sehen.
neuronal, 10.08.2009 16:51
@Katrin Treibe mich eher in technisch mittelprächtigen Programmkinos rum und hab noch nicht so viele digitale Projektionen gesehn, würde mich (ernsthaft, nicht rhetorisch) interessieren, woran es genau mangelte.
Synchro ist immer störend, klar. Ton war wohl zu leise, vor allem, wenn sich ein Trupp Instant-Hobbykritiker in die Nähe setzt. "Kleine Leinwand" kann ich nicht nachvollziehen, mag natürlich relativ zu anderen Leinwänden stimmen. An einigen Stellen fand ich's etwas dunkel und kontrastarm, bin aber nicht sicher, ob das so intendiert sein könnte. (Und wird durch hohe Auflösung und erstaunliche Tiefenschärfeeffekte mehr als aufgewogen.)
Schreckliche :) Vorstellung, dass man da letztlich nirgends eine endgültige Einschätzung bekommen wird, weil sich kaum jemand den Film in genügend verschiedenen Kinos anschauen wird.
Thorsten, 11.08.2009 13:04
Eine hilfreiche Liste von Kinos deutschlandweit, in denen überhaput digitale Projektion möglich ist. Dabei geht es um die neue 3D-Digital-Technik, aber ich nehme an, die können auch 2D-Digitalfilme zeigen? Die Frage ist nur, ob PE dann im richtigen Saal läuft …
http://www.heise.de/ct/3D-Kinos-in-Deutschlan...
Stefan, 11.08.2009 14:28
Ich werde heute abend die Vorstellung in Stuttgart besuchen und berichten, ob es wirklich digital ist (wovon ich ausgehe, denn hier wird, wie gesagt, fast alles mittlerweile digital gezeigt).
Wegen Synchro vs. DF - hier bei den PVs in Stuttgart ist es den meisten, glaube ich, egal, es hat sich noch keiner groß zu geäußert. Aber in der Tat, derzeit gibt es wirklich einen Trend zur DF, wobei das natürlich auch immer vom Verleiher abhängt - Warner hat bspw. immer OV oder zumindest OmU.
Andreas, 11.08.2009 18:27
Da mir das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung nicht ganz unwichtig ist, habe ich mal per Mail beim Münchner Cinema nachgefragt, was ich da denn nun gesehen habe. Ich denke, es ist okay, wenn ich die Antwort poste:
"es gab und gibt Farbprobleme mit der digitalen Kopie. Am Sonntagabend
allerdings solltest Du die digitale Fassung gesehen haben."
Tatsächlich war ich ja am *Samstag* dort, allerdings weiß ich jetzt immerhin, dass der Film dort zumindest manchmal digital projiziert wird und nehme das mal als Bestätigung meines (wie gesagt höchst beeindruckenden) Sichtungs-Erlebnis.
Für zukünftige Kino-Besuche hilft das aber natürlich auch wenig - es scheint auf 'Lotto für Filmfreunde' hinauszulaufen.
Andreas B., 14.08.2009 01:29
Auf nochmalige Nachfrage teilte das Cinema München mit, dass die verbleibenden vier Vorstellungen bis Ende nächster Woche nun alle digital erfolgen werden.
Zumindest in Süddeutschland bleiben dann mit Karlsruhe (OmU), Stuttgart (dt.), Nürnberg (dt.) und München (OV) immerhin ein paar gesicherte Optionen, den Film in dieser Form zu sehen. In nördlicheren Regionen scheint es hingegen düsterer auszusehen.