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Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 13
vom 15. März 2012

CARGO 13 Cover, CARGO 12 Cover,

Container vom 18. April 2009 von Ekkehard Knörer

Lee Lütgert Landjäger
Filmvermittlung im Internet.

Gestern waren bei der Kunst der Vermittlung im kleinen Arsenal-Kino der Copyright-Praktiker und -Vordenker Sebastian Lütgert und der New Yorker Video-Essay-Filmer Kevin B. Lee zu Gast. Lütgert stellte - ohne Netz, hat man offenbar nicht im Arsenal - sein indisches Dokumentarfilm-Index-Projekt Pad.ma vor. Auch Einblicke in seine algorithmische Indexierung der Filmgeschichte erhielt man. Was man damit alles anfangen könnte, dazu äußerte er sich programmatisch sehr zurückhaltend und eher imperativisch: Macht halt!

Der Ausgang des Pirate-Bay-Prozesses war kurz Thema. Kevin Lee erzählte, dass YouTube von sich aus auf ihn zuging und ihn aufforderte, Einspruch gegen die von YouTube im Warner-Auftrag ausgehende Sperrung seiner Video-Essays einzulegen. Was er erfolgreich tat. Im Publikum war immer mal wieder eine gewisse Unruhe, die sich jedoch nur in einer blödsinnigen Wortmeldung entlud. In einer sehr viel interessanteren Wortmeldung sprach dann der Filmemacher Christoph Hochhäusler davon, dass der neuartig-digitale Umgang mit dem Kino die Bilder auf noch nicht ganz erfassbare Weise neu "verdaue". Am Rand war zu erfahren, dass er seinen neuen Film - Drehbuch gemeinsam mit dem Schriftsteller Ulrich Peltzer - nun tatsächlich drehen kann. Hinterher ging man in die Joseph-Roth-Diele, wo, wer etwas essen wollte, mit Landjägern Vorlieb nehmen musste, weil die Küche schon zu war.

Wie üblich gibt es ein höchst lesenswertes Dossier zu der Veranstaltung auf der Webseite der Kunst der Vermittlung. Neben Stefanie Schlüter, Michael Baute, Stefan Pethke und Volker Pantenburg schreibt auch Kevin B. Lee über seine Video-Essays.


1 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Christoph Hochhäusler, 19.04.2009 14:40

    Zur Genese der Argumente... Michael Baute sprach von zwei gegensätzlichen Indexierungsverfahren, dem semantischen (im Falle von Shooting Down Pictures) und dem algorythmischen (im Falle von Pirate Cinema). Mein Argument war der Versuch einer Verknüpfung --- beide Verfahren sind Werkzeuge, die die Wahrnehmung von Bildern in Richtung einer „Verarbeitung” verschieben, sozusagen „Besteck” sind, zum Verzehr (Wenn auf 0xdb Filme nach Untertiteln durchsucht und „im Überblick” sichtbar gemacht werden können, ist das nicht auch eine „Filettierung zum Gebrauch”?) ...

    Das Kino klassischer Prägung projiziert überlebensgroß, das Publikum ist „ganz Auge”, ohnmächtige Masse, aber mit der Verkleinerung, Komprimierung und „Angreifbarkeit” des Filmbildes ist der Zuschauer relativ immer größer geworden (und auch: vereinzelt) und besitzt heute Zugang zu Mitteln der Kontrolle, die lange Zeit den Monopolisten der Produktion gehörten. Ich glaube, diese Entwicklung muss sich notwendig auch in die Produktion einschreiben und wird den Film sehr verändern...

    Anders als Sebastian übrigens sehe ich darin nur eine Fortsetzung eines sich schon lange vollziehenden Wandels, keine genuin digitale Revolution... (Man denke nur an den Sprung von Kino zu Fernsehen, von Fernsehen zu Video etc.)