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CARGO Film/Medien/Kultur 41
vom 22. März 2019

CARGO 41 Cover, CARGO 40 Cover,

Thema/Reihe Animationsfilm
Container vom 11. April 2009 von Ekkehard Knörer

Animation (1): James Stuart Blackton

Gestern habe ich mehr oder weniger den ganzen Nachmittag damit verbracht, mir bei YouTube und Co Animationsfilme und Cartoons anzusehen. Schuld war Lukas Foerster, der einen Link zu einem furchterregend komischen Cartoon aus dem Hause Fleischer getwittert hatte. Thomas Groh hat ihn auch gleich in sein Blog gestellt.

Tatsächlich finden sich - natürlich nicht im engeren Sinn verborgen - Schätze bei YouTube. Teils sind die Filme in der Public Domain, teils nicht, teils nehmen die Rechteinhaber sie raus, teils nicht. Jedenfalls gibt es so viel Großartiges, dass ich dachte, ich bringe ein bisschen Ordnung rein; nicht zuletzt mir selbst zur Belehrung. Ab heute, soll das heißen, poste ich (nach Möglichkeit) jeden Tag einen Animationsfilm/Cartoon (oder mehrere). Und schreibe ein bisschen was zu den Hintergründen der Entstehung. Nicht weil ich es wüsste - ich kenne mich im Gegenteil nicht besonders gut aus -, sondern weil ich es ein bisschen genauer wissen will. Jede Zusatzinformation im Kommentar ist mehr als willkommen, jeder Hinweis auf großartige Cartoons bitte an knoerer [at] gmx.de.

Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass ich auf die Dauer chronologisch vorgehen werde, aber den guten Vorsatz habe ich schon. Deshalb heute ein Anfang mit:

James Stuart Blackton: The Enchanted Drawing (1900) und Humorous Phases of Funny Faces (1906)

James Stuart Blackton (1875-1941), in England geboren, als Kind in die USA gelangt war Jahrmarktzeichner und Reporter. Nach einem Interview mit Thomas Alva Edison kam er auf die Idee, selbst eine Filmproduktion zu gründen (gemeinsam mit Albert E. Smith), die Vitagraph, die nachmals für ihre Literaturverfilmungen und Geschichtsfilme berühmt wurde. In den neunziger Jahren erregte die Firma Aufsehen mit pseudo-dokumentarischen Nachrichtenfilmen wie dem Tearing Down the Spanish Flag, der Bilder aus dem spanisch-amerikanischen Krieg zu zeigen vorgibt, aber in Brooklyn entstand. Die Battle of Santiago wurde in des Regisseurs Badewanne gedreht. Weil die Aufnahme vom Original-Kampf nicht möglich war, wurde der KO im Boxkampf zwischen Jim Jeffries und Bob Fitzsimmons mit den echten Boxern einfach nochmal gedreht. (Hier auf YouTube.)

Im Jahr 1900 entstand dann in einer Mischung aus Realfilm und Animation The Enchanted Drawing, der als erster (oder einer der ersten, wen kümmert's) Animationsfilm(e) gilt. Die Technik ist einfacher Stoptrick, also jene Schnitttechnik, die einfach verbirgt, was zwischen den Bildern vor der Kamera geschieht. Vom Stoptrick zur Stop-Motion waren es dann nur ganz viele kleine Schritte, 1906 ist Blackton mit seinen den Prozess schon im Wortspiel-Titel andeutenden Humorous Phases of Funny Faces bereits recht weit. (Übrigens wird sich zeigen, dass der Animationsfilm wie kaum ein anderes Filmgenre sehr schnell schon zu allerlei selbstreflexivem Schabernack neigt.)

Zu den bedeutendsten weiteren Blackton-Trickfilm-Produktionen gehört ein Film, in dem Winsor McKay in einer Realfilmsequenz seinen Comic Little Nemo in Animationsfilmbewegung setzt. Dazu dann aber mehr in einer der nächsten Folgen.

Links:
Blackton-Biografie bei Screenonline


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