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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Anderes Kino
Container vom 17. November 2008 von Ekkehard Knörer

Wooster Group: 360 ° Kino
Virtuelles Guckloch.

File Under: Performances, die wir ungern verpasst haben. File Under: Das hättest du wirklich mal früher mitkriegen können.

Jetzt erst gesehen: Zur Eröffnung des hyperzeitgenössischen Konzert- und Multimedia-Spektakel-Gebäudes (für seine Freunde kurz: EMPAC, alles Wissenswerte zum Bau selbst hier) des renommierten Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) in Troy, Upstate New York, Ende Oktober hatte die zuständige Kuratorin Kathleen Forde eine Produktion der Wooster Group in Auftrag gegeben. Titel: "There Is Still Time..Brother". 

(Beim Nachlesen habe ich dann kapiert: Das ganze hatte seine Premiere am ZKM in Karlsruhe schon im letzten Dezember, mehr dazu hier.)

Worum es geht: Virtuelles Panoramakino. Die Performer der Wooster Group haben einen kleinen Film aufgenommen, die Aufführung wird auf der EMPAC-Seite so beschrieben: "Das Publikum steht in der Mitte einer 360°-Leinwand, umgeben vom verwirrenden narrativen Raum des Films, dessen Handlung nur durch ein virtuelles Guckloch genau gesehen und gehört werden kann. Dieses Guckloch bewegt sich als Scan durch den Kreis und wird von einem Mitglied des Publikums gesteuert." Das Panorama-Kino selbst ist eine Erfindung des australischen Künstlers und ZKM-Professors Jeffrey Shaw

Für ein visuellen Eindruck hier klicken.

Die Wooster Group ist seit 1975 mit technisch zusehends hochgerüsteten Performances aktiv, zählte zu ihren Mitgliedern die spätere Solo-Performance-Legende Spalding Gray und den anderweitig berühmteren Willem Dafoe. Allem technisch Machbaren waren Regisseurin Elizabeth Lecompte und ihre Leute immer schon aufgeschlossen. Zuletzt haben sie sich sehr viel mit Re-Enactments von Film- und Bühnenperformances beschäftigt. So in "Hamlet", in dem sie Richard Burtons berühmte "Hamlet"-Darstellung vor laufendem Film live auf der Bühne nachspielten. "Poor Theater" war eine aufs Absurdeste Jerzy Grotowski nachstellende Remake-Performance.

Cargo-Link:
Ekkehard Knörer über "Poor Theater"

Hier ein Auszug aus "Rhyme 'Em to Death", in dem die Wooster Group die Gerichts-Szene aus Victor Hugos "Glöckner von Notre Dame" aus der Perspektive einer Nebenfigur - einer Ziege - verfilmt hat:


1 Kommentare. Kommentar hinzufügen

  • Volker Pantenburg, 21.11.2008 10:10

    Einen Eindruck von Jeffrey Shaws immersiven Kino-Architekturen konnte man vor einem Jahr in der falsch betitelten, aber interessanten Ausstellung »Vom Funken zum Pixel« im Gropiusbau bekommen. Zum einen war dort die Arbeit PLACE. A USER'S MANUAL aus dem Jahr 1995 zu sehen, wo man – etwas schwerfällig – auf einer mobilen Plattform durch panoramatische 360-Ruinenfelder der griechischen Antike navigierte. Zum anderen sein EVE INTERACTIVE CINEMA, eine geschlossene Rundkuppel, aus deren Bildwelt der Zuschauer mit einem Sicht- und Steuergerät jeweils einezelne Bildfelder visuell und akustisch heraushebt. Bei der Berliner Ausstellung war das Gewölbe mit einer Art danteskem Pandämonium bespielt. Ob unten im Höllenkreis – siehe Eure Rating-Tabelle – Wim Wenders schmorte, habe ich seinerzeit nicht überprüft. [Jetzt habe ich's überprüft; die Arbeit – SI POTERIS NARRARE, LICET (von Jean-Miche Bruyère, 2002) bezieht sich auf den Mythos von Diana und Aktäon. Dantesk kam sie mir trotzdem vor.]