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Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 40
vom 14. Dezember 2018

CARGO 40 Cover, CARGO 39 Cover,

Film
Container vom 20. Dezember 2008 von Simon Rothöhler

Jessica Schwarz am Telefon
Zur Tonästhetik von Breloers "Buddenbrooks"

Eine Beobachtung noch zu Breloers Verfilmung der Buddenbrooks (dann ist aber auch gut): Dass der Film „Fernsehen“ und nicht „Kino“ sei, wird häufig kritisch angemerkt, selten aber ästhetisch präzisiert. Wenn, dann als Fehlen einer visuellen Qualität, die „Kino“ anzeigen soll, dort aber auch nicht immer zu finden ist und vielleicht deshalb als Kriterium der Mediendifferenz irgendwie nicht funktioniert. Natürlich ist da etwas dran, zum Beispiel filmhistorisch gesehen – der amerikanische Filmwissenschaftler David Bordwell hat in empirisch materialreichen Studien zur US-Kinoindustrie statistisch verifiziert, dass in Hollywood-Produktionen nach der Durchsetzung des Fernsehens eine Konzentration der Spielhandlung auf die Bildmitte stattfand. Die an den Rändern sieht man nicht. Auf den Sets war das Fernsehformat als zukünftige Schnittdrohung und kommerzlogische Rekadrierung stets präsent. Die Studios hatten schnell erkannt, dass das Fernsehen weniger Konkurrent, sondern vielmehr zusätzliche Abspielstation ist, die die Auswertungskette filmischer Waren verlängert. Wie dem auch sei: Bei den "Buddenbrooks" merkt man bereits nach einer Minute, dass es sich um eine Fernsehproduktion handelt. Nicht weil da etwas mit dem Bild nicht stimmt (natürlich stimmt da einiges nicht, aber nicht so, dass man sinnvoll sagen könnte, das sei jetzt aber kein „Kino“ mehr), sondern weil die 16 Millionen Euro-Produktion eine völlig banale Fernsehtonästhetik verwendet. Eine nachsynchronisierte Überverständlichkeit des Dialogs, die offenbar schon die Schwerhörigkeit eines nicht mehr ganz jungen TV-Publikums antizipiert. Gleich in der ersten Ballszene gibt es praktisch überhaupt keinen Raumton, der den Namen verdient. Klingt alles wie Mono aus der Dose. In einem hochwertigen Dolby-Surround-Kino wie dem Berliner Cinestar, in dem üblicherweise die hochkomplexen Soundtexturen der Blockbuster zur Aufführung kommen, wirkt das wie ein schlechter Witz, den sich das Fernsehen mit den aktuellen Möglichkeiten des Kinos macht. Als hätte man Jessica Schwarz am Telefon.


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