CARGO Container
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Venedig 2010

Heute Abend eröffnen die 67. Filmfestspiele Venedig, der Jury steht Quentin Tarantino vor. CARGO-SMS vom Lido senden Michael Althen, Cristina Nord und Isabella Reicher. Mögen die Spiele beginnen.
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Will Tear Us Apart
Die Liebe der Kinder.

Die Liebe der Kinder beschämt die Liebe der Erwachsenen, weil hier gilt: Baumschule trifft Hochschule, was man lange Zeit herbeikonstruiert finden kann, weil es zunächst gar nicht forciert plausibilisiert wird, weshalb sich die spröde Wissenschaftshistorikerin überhaupt einlässt mit einem Mann, der in Bibliotheken zuerst nach dem Eintrittsgeld fragt. Hat man ja schon oft gesehen, wie eine solche Paarasymmetrie im Kino erzählt wird und wie da von Anfang an eine ziemlich durchsichtige Dramaturgiefalle aufgebaut wird, in die die Figuren dann auch prompt hineinlaufen, als würden sie selber nie ins Kino gehen und nicht wissen, dass es immer ein halbintellektueller Verlegerfreund mit kiloschwerer Persolhornbrille ist, der dann in ganz kleinen, ganz fiesen Gesten insinuiert, dass das nun aber wirklich kein satisfaktionsfähiger Partner ist. Es ist nicht die Sex and the City-normalisierte Genderpointe - dass da mal eine Frau über ihren Mann das Dummficktgutpsychogramm ausbreitet, nur irgendwie netter formuliert - sondern tatsächlich die transparente Idee, einen Teenagerspiegel auf die Erwachsenen zu richten, die Die Liebe der Kinder dann doch zu einem ziemlich guten Film macht, weil auch bei denen die Naivität und Überschwenglichkeit in etwas Brüchiges übergeht. Und trotzdem war es das wert und trotzdem fährt man halt jetzt solo in die Ukraine, das Leben schafft Fakten, hinter die man nicht zurück kann. Und dass mal wieder jemand einen Sautet-Film versucht, und dann auf eine so präzise Verspieltheit kommt, und dass das am Ende sogar alles aufgeht, was doch sehr an den tollen Schauspielern liegt, ist auch prima.
Ab heute in wenigen Kinos: Die Liebe der Kinder von Franz Müller.
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Schmoscar
JLG
Jean-Luc Godard bekommt einen Oscar - den er ungefähr so dringend braucht wie einen Furunkel am Arsch. Umso erfreulicher die Meldung, dass ihm die Auszeichnung an selbigem möglicherweise so ziemlich vorbeigeht. Filmbrain verweist auf Twitter auf Godards Reaktion im Jahr 1995, als ihm die New Yorker Filmkritik ihren Preis an den Hals warf. Und da war er sicherlich noch ein etwas weniger grumpiger older man als er heute ist:

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Thomebuch
im Handel

Wie man sieht - das Foto hab ich aus Rudolf Thomes Blog geklaut - ist das Thomebuch jetzt endlich raus. Käuflich erwerben kann man es zum Beispiel direkt bei Schüren. Und lesenswert ist es sehr. Mit einem Werkstattgespräch, mit vielen neuen und klassischen älteren Texten (von Frieda Grafe, Karsten Witte etc.). Schönes von Rainer Knepperges, der sich auch mit Ulrich Mannes (SigiGoetz) über Thome unterhält und mehreres von Olaf Möller, von Peter Körte was zur Zeitreisen-Trilogie und das Vorwort und manches mehr von Herausgeber Ulrich Kriest. Ganz durch bin ich noch nicht, aber für jeden, der sich für Thome interessiert, ist es wirklich ein Muss. (Und, p.s.: eine kleine Kleinigkeit von meiner Wenigkeit zu Pink ist auch drin.)
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Bin Lady
Snuff
Den schönen Spitznamen "Bin Lady" hat sich Mary B. aus Coventry mit einer Tat verdient, die sie sich, nun ertappt, selbst nicht mehr erklären kann. Eine Überwachungskamera beobachtet die Frau bei einem Verbrechen, für das manch einer sie nun geteert, gefedert, gevierteilt und gerädert wünscht. (Und, nein, liebe Kinder: nicht nachmachen. Die Katze wurde im übrigen nach fünfzehn Stunden befreit. Ihr Besitzer appelliert an die Rachwütigen dieser Welt, die Bin Lady besser nicht zu ermorden. Via Christian Keßler)
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RIP Satoshi Kon
Unter den Anime-Regisseuren nach Hayao Miyazaki (1941 geboren) und Mamoru Oshii (1951 geboren) war Satoshi Kon vermutlich der Größte. Dass er jetzt mit noch nicht einmal 47 Jahren an Krebs starb, ist ein wirklich schwerer Schlag. Gerade mal vier Filme und eine Fernsehserie hat er produziert und es gab allen Grund, sich auf jedes weitere Werk zu freuen. Hier der schon sehr schöne Anfang seines nun letzten Films Paprika, der in mancher Hinsicht das ist, was Inception geworden wäre, wäre Christopher Nolan nicht ein so fantasieloser Geselle:
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Twitter fragt, Werner Herzog antwortet
Videopost
Heute am frühen Abend gab es eine leicht ungewöhnliche Werbeaktion für Werner Herzogs Film My Son, My Son, What Have Ye Done. Man konnte per Twitter Fragen stellen und Herzog antwortet per Video. Das ganze wird jetzt so langsam erst bei Youtube hochgeladen. Hier ein Video, in dem Herzog sich zu Abel Ferrara und Chuck Norris (der Name sagt ihm eher nix) äußert, weitere werden dann in diesem Kanal, glaube ich jedenfalls zu verstehen, folgen. (Im Zweifel ziemlich weit links unten unter "Letzte Aktivitäten" nachsehen.)
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fahr-fahr-fahr doch schneller
Texthinweis.
Oberhausennotizen von Michael Baute:
«Am Donnerstagmorgen war ich von Kreuzberg nach Wilmersdorf zur Berliner Straße gefahren. Dort war die Verabredung mit der Mitfahrgelegenheit mit dem blauen Opel Corsar. Die Corsarfahrerin war eine junge Frau aus Berlin, die ständig zum Pferdebetreuen in Westfalen ist, ansonsten machte sie Abitur, die Deutschklausur hatte sie am Montag geschrieben oder am Dienstag, mehrere Themen waren da zur Auswahl gewesen und sie hatte sich für die Analyse eines Textes entschieden, der über die Anwesenheit englischer und amerikanischer Worte im Deutschen handelte und was das bedeutet. Wir fuhren durch den lichten Verkehr zum Westkreuz und warteten dort am Ausgang des S-Bahnhof auf eine andere junge Frau, die auch mitfuhr wie ich. Die Sonne schien. Die Fahrt war anstrengend. Die junge Frau verdoppelte ihr vorschriftsmäßiges Autobahnfahren permanent durch Beschreibungen ihres Fahrens. So entstand eine parallele Legende zu ihrer Verkehrswahrnehmung und ihren Fahrerentscheidungen, so wie diese Kommentarspuren in den schlechten Dokumentarfilm. Wenn man 120 fahren durfte, fuhr sie 120 und wiederholte das mit Worten, ab hier darf ich nur 120 fahren, immer noch nur 120!, wann kommen wir denn endlich aus der 120-Zone?, so langsam würde ich aber gerne mal wieder schneller fahren, fahr-fahr-fahr doch schneller – es gilt 120. Meine Freude auf die Stummfilme in Oberhausen wuchs von Kilometer zu Kilometer.»



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