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  •   19. Dezember 2014  

Neue Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 24
vom 18. Dezember 2014

CARGO 24 Cover, CARGO 23 Cover,

Container

  • DFFB. Neubesetzung der Leitung

    19. Dezember 2014, Ekkehard Knörer in: Film-/Hochschulpolitik

    Die Vorgeschichte geht ungefähr so: Ex-Direktor Jan Schütte (ich zitier' ausnahmsweise sogar Rüdiger Suchsland: "eine in jeder Hinsicht schwache Figur und völlige Fehl­be­set­zung auf dieser Position") hat nach außerordentlich wenig insprierenden Jahren kurz vor Ende seiner Amtszeit doch noch Großes geleistet: Er ließ das Vorführkino der DFFB gold streichen. Das war zwar bei Vorführungen sehr störend, aber es ist natürlich die Geste, die zählt. Nun hat Schütte nicht der Teufel, sondern das American Film Institute in LA geholt (danke dafür!) - und bei der Besetzung wird so intransparent gehandelt (und mutmaßlich auch entschieden), wie auch unter der inzwischen in Hamburg als Kultursenatorin tätigen Barbara Kisseler schon intransparent gehandelt und - damals gegen heftigen Widerstand der Studierenden - entschieden wurde. (Mehr dazu hier.)

    Am 5.12. gab es nun ein Kuratoriumssitzung, aus der offiziell nichts nach außen drang, außer: Sie ist gescheitert. Gerüchteweise hatte sich die Suche auf zweit KandidatInnen zugespitzt: die schon beim letzten und wohl auch dieses Mal von den Studierenden favorisierte hoch renommierte Kamerafrau Sophie Maintigneux. Der Gegenkandidat ist das in vieler Hinsicht eher unbeschriebene Blatt Julian Pölsler, bekannt vor allem als Regisseur der Haushofer-Verfilmung Die Wand. Aber, wie gesagt: Das Kuratorium, in dem auch zwei Studierendenvertreter saßen, hat sich nicht einigen können.

    Die DFFB-Studierenden treibt nun, aus mehr als verständlichen Gründen, die Sorge um, dass wie beim letzten Mal durchregiert wird - und zwar mit einer Entscheidung für Pölsler. Die Äußerungen des Kisseler-Nachfolgers Björn Böhning klingen entschieden nicht gut: "Ob es für die DFFB hilfreich ist, interne Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit zu tragen, möchte ich bezweifeln." Dass die Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit getragen werden, stimmt. Zum Glück.

    Es gibt Mahnwachen vor dem Roten Rathaus (nun ja). Und vor allem heute Abend um 19 Uhr im Studiofoyer der Akademie der Künste (Hanseatenweg) eine Diskussionsveranstaltung, deren Teilnehmer so illuster wie gemischt sind: Christian Petzold, Detlev Buck, Pia Marais, Chris Kraus, Wolfgang Becker und andere. Senatskanzleichef Böhning dagegen ist sich für die Teilnahme zu fein.


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  • CARGO #24 / Aboprämie

    18. Dezember 2014, Cargo

     

    * Im Gespräch: Tariq Teguia

    * Pasolini und Lotta continua // Lav Diaz // Roy Andersson // Standorte rumänischer Medienproduktion

    * Serien 2014: Halt and Catch Fire / Fargo / House of Cards / True Detective / Orphan Black / Hannibal / The Americans / Les Revenants / Transparent / Broad City ++ Early Television / Peyton Place

     

    Aboprämie: Über Thomas Heise (Buch)


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  • Serienheft Countdown VIII (und Ende): Black Mirror
    Heute erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier endet der Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    18. Dezember 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    Black Mirror, 2 x 3 Folgen, plus Christmas Special, Channel Four, 2011ff., Charlie Brooker

    Black Mirror Jon Hamm

     

    Im Christmas Special, das vorgestern auf Channel 4 lief, ist Jon Hamm eine schmierige Type, die Leute in ein merkwürdiges Ei hinein klont. Okay, da müsste man jetzt weiter ausholen, wie man zu jeder der bislang sieben Folgen von Black Mirror etwas ausholen müsste. Schließlich spielt jede von ihnen in einer anderen dystopischen Zukunft, in der der eine oder andere unangenehme Zug der Gegenwart sehr viel deutlicher als aktuell schon ausgeprägt ist. Daher der Titel: Blick in den Spiegel, der aber nur die schwärzeren Momente der Gegenwart als mögliche Zukunft zurückwirft. Zum Beispiel geht es, Folge eins, um einen Konzeptkunst-Entführer, der den Prime Minister dazu erpresst, vor laufenden Kameras ein Schwein zu vögeln. Folge zwei: Eine Welt, in der das höchste der Gefühle eine Karriere als in Superstar-Contests gecastete Reality-TV-Figur ist. (Der Alltag ist ein mediengesättigter Treadmill-Alltag im buchstäblichsten Sinn.) Die medienkritischen Prämissen sind in allen Episoden eigentlich eher nicht das Interessante, sondern selbst eher run of the mill. Auch die Sci-Fi-Topoi sind durchweg vertraut, wenngleich meist interessant und mit Lust an der jeweils finstersten Konsequenz weitergedacht. Gut ist die souveräne Selbstverständlichkeit, mit der Charlie Brooker die aktuellen sozialen und anderen Medien in seinen Zukünften installiert. Gut ist auch, dass er - wie jede Satire, die Spaß macht - eine komplizenhafte Freude am Dystopischen hat, das er ausmalt. Hochinteressant ist, wie Zynismus und Moralismus einander dabei ständig in den Schwanz beißen; am klarsten politisch in der Folge um die Animationsfigur Waldo, die in Wahlkämpfe eingreift - der Zauberlehrling, der hinter ihr steckt, steigt aus, aber den Erfolg der nihilistischen Figur stoppt er damit nicht. Charlie Brookers Vision ist immer ungefähr diese: Widerstand ist letztlich zwecklos, weil das System ihn immer irgendwie assimiliert - und es führt trotzdem kein Weg daran vorbei, widerständig zu bleiben.

    Eine Folge, die erste Episode der zweiten Staffel, führt quasi direkt in den Serienschwerpunkt des Hefts, das heute erscheint. "Be Right Back" malt sich eine Revenantenfigur aus, die denen, um die es in meinem Text "Zurück-Sein" in Cargo #24 geht, auffällig gleicht. Ausdrücklicher als in anderen Wiedergänger-Geschichten ist hier der Wunsch der Vater der Wiederkunft eines Toten. Hayley Atwell spielt eine Frau, deren Mann stirbt - und der erst als Audio-Software (à la Her), dann als Körperklon wiederkehrt: echt und nicht echt, fremd und vertraut. Er endet, auch eine schöne und so noch nicht gesehene Pointe, als untoter "Ex-Mann in the Attic". Als ich den Text fürs Heft schrieb, kannte ich Black Mirror noch nicht - sollte ich, wovon ich angesichts der Konjunktur der Figur ausgehe, weitere Revenanten sichten, werde ich an dieser Stelle gerne berichten.


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  • Serienheft Countdown VII: The Affair
    Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    16. Dezember 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    The Affair, 10 Folgen, Showtime, Hagai Levi und Sarah Treem, 2014


     

    Schroff, harsch, wund singt Fiona Apple in die Brandung; und umso schroffer, harscher und wunder, als sie nichts als die eigene Stimme als Instrument hat. Das ist der Vorspann.

    Der Ort der innerdiegetischen Brandung (zu der sich die des Vorspanns als Verdichtung, Allegorisierung, Vorankündigung - vielleicht auch als Branding - verhält): Montauk. Max-Frisch-Referenzen sind auf der Stelle erlaubt. Mann in mittleren Jahren, Schriftsteller noch dazu, verliebt sich an amerikanischer Küste in deutlich jüngere Frau. So geht The Affair. Hagai Levi, Creator mit Sarah Treem (beide of In treatment fame), darf man literarische Bildung voraussetzen, wenngleich die Serie dann doch anderswo abbiegt. Dominic West als Noah Solloway ist ohnehin weniger Schriftsteller (nur ein wenig erfolgreiches Buch) als Lehrer, außerdem Ehemann und vierfacher Vater; treu, eigentlich und bislang; middle-age-melancholisch, weder glücklich noch unglücklich genug, um es resigniert oder zufrieden zu sein. Alison Bailey heißt die Frau, in der sich verknallt, Ruth Wilson ist toll wie immer, und die Frage, ob sie es sein muss oder ob es auch eine andere hätte sein können, ist auf offen gestellt. Alison: traumatisiert, an Montauk und die Farm und den superattraktiven Ehemann liebend-hassen-trauernd-durcharbeitend gefesselt. Vor und zurück geht das, die Liebe auf krummen Linien krumm geschrieben, tiefernst und schwer und feucht in den Stimmungen, da setzt Fiona Apple den Ton (und kein Wunder, dass jemand wie Emily Nussbaum mit ihrem doch etwas eindimensionalen New-Yorker-Geschmack damit mal wieder nichts anfangen kann oder will), etwas für Leute (algorithmisch gesprochen:), die Soap & Skin mögen, dann noch mit einem Clou, von dem auch nach der vorletzten Folge der ersten Staffel (die letzte läuft nächsten Sonntag) nicht klar ist, ob er das ganze auf subtile Weise fundiert oder nicht mehr als eine gimmickförmige Trivialität performiert: Alle Folgen sind zweigeteilt, dieselben Ereignisse werden im Rückblick jeweils aus Sicht von Alison und Noah erzählt. Ein Mord ist geschehen, Noah und Alison in einer Befragungssituation: Ich bin metagespannt, wie sich das am Sonntag dann auflöst. (Zweite Staffel ist längst in Auftrag gegeben.)


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  • Serienheft Countdown VI: Utopia
    Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    10. Dezember 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    Utopia, 6 Folgen, Channel 4, Dennis Kelly, 2013 f. (2. Staffel habe ich noch nicht gesehen)

     

    Im Comicladen geht's los, und zwar außerordentlich blutig. Zwei Killer machen allen Menschen im Laden den Garaus, weil sie auf die Frage, wo Jessica Hyde ist, keine Antwort bekommen. Aber wo ist Jessyca Hide? Und wer ist Jessyca Hyde? Sie taucht erst mal nicht auf. Dafür ist da schon wieder Stephen Rea, in kleinerer Rolle, genauso zerknautscht wie in der HONOURABLE WOMAN, eine dubiose Figur, die später etwas größer rauskommt, es bekommt ihr nicht gut. Ins Zentrum der Geschichte gerückt ist eine Bande von Nerds, ein Onlineforum zur Graphic NovelUtopia führt sie zusammen, es geht um eine tödliche Krankheit, die mögliche Heilung, einen zweiten Band des Comics, so nach und nach nur stückt sich das alles zusammen. Und bleibt natürlich horrend, apokalyptische Verschwörungstheorieszenarien der beknackteren Sorte. Da aber ist Jessica Hyde! Fiona O'Shaughnessy: Tochter, skrupellose Protagonistin, Anführerin, zack. Einer der Killer vom Anfang, die Nerdbande, alle miteinander im Heimlichen unterwegs, Mord, Blut, Vaterfigur, dazu eine ansteckend pumpende Zirkusmusik. Fast immer rechtzeitig, bevor sich der Wahnwitz zu einem Plot konsolidiert, über den man nur den Kopf schütteln kann, überstürzt sich das Geschehen wieder voran, sodass einem der Kopf im Schütteln gefriert. Nicht drüber nachdenken, einfach den Irrsinn genießen.


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  • Exhumierung

    6. Dezember 2014, Ekkehard Knörer

    Gestern wollte mir in einem kurzen Disput über Mike Leigh partout nicht mehr einfallen, wo ich damals über HAPPY-GO-LUCKY geschrieben habe und was wohl meine Pro-Argumente gewesen sein mögen. Dann machte es Klick wie beim Fall der Münze in einen Wurlitzer-Schlitz: Das war in der Spex. Halb verdrängte Kurzgastspiel-Episode im Jahr 2008, die ziemlich abrupt damit endete, dass ich den von (damals: Chefredakteur) Max Dax über die Maßen geliebten GOMORRHA so mäßig besprach, wie ich ihn fand. Drüben im Magazin jetzt eine Seite mit den drei Texten aus der Spex, hiermit ins CARGO-Archiv exhumiert.


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  • Serienheft Countdown V: Olive Kitteridge
    Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    4. Dezember 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    Olive Kitteridge, 4 Folgen, HBO, Lisa Cholodenko, 2014

    Olive Kitteridge

     

    Olive Kitteridge (Frances McDormand) ist keine angenehme Person. Nicht für ihre Schüler, nicht für ihren Ehemann, nicht für ihren Sohn. Sie ist nicht warm, nicht verständnisvoll, trifft nicht den richtigen Ton, ist bar aller Großzügigkeit, sie rülpst, sie erträgt Nähe und Wärme nicht; wenn ihr jemand, zum Beispiel der Ehemann, freundlich kommt, wendet sie sich ab. Olive Kitteridge ist das Porträt dieser Frau, über rund 25 Jahre hinweg, Lisa Cholodenko hat alle vier Folgen gedreht. Schauplatz ist eine Kleinstadt in Maine, in der Olives Ehemann (Richard Jenkins) die Apotheke betreibt. Über die junge Angestellte hält er seine schützende Hand, beziehungsweise eigentlich wirft er ein Auge auf sie, beides, er ist ein freundlicher Mann, der die schneidenden Bemerkungen seiner Frau - nicht nur über die "Maus", als die sie die Angestellte verhöhnt - duldend erträgt. Die Serie blickt nicht mit Empathie auf ihre Heldin, der Empathie fremd ist. Übrigens auch Empathie für sich selbst: Einzig in anderen Unglücksfiguren findet sie sich wieder, in sie ist die Selbsterkenntnis ausgelagert, als Mitgefühl, während sie über sich selbst nicht freundlicher als über andere spricht. So rettet sie einen Mann, der sich umbringen will. Sich selbst erlöst Olive damit aber nicht. Lisa Cholodenko inszeniert das, von etwas merkwürdigen CGI-Halluzinationen zwischendurch abgesehen, insgesamt sachlich. Es gibt hier und da melodramatische Spitzen, erratische Sprünge, ein erratisches Verhältnis zur erzählten Zeit und - in Maßen - zur erzählten Figur, die sehr stachlig bleibt. Ob man das glaubt, ob man Olive erträgt: Das steht und fällt mit Frances McDormand, die ihre Sache eindrucksvoll macht. Sie gibt der Figur Ungeduld im Gesicht und im Körper. Sie ist schnell, harsch, hart, aber dass sie manchmal gerne anders wäre, das spürt man auch. Als wäre sie gerne nicht die, die sie ist; ein Staunen über diese Person, die dann doch sie selbst sein muss, denn wer wäre sie sonst. Am Ende schenkt die Serie ihr etwas Frieden. Eine großzügige Geste, die Olive selbst eigentlich fremd ist. Die letzte Konsequenz fehlt. Aber unglücklich ist man darüber nicht.


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  • Serienheft Countdown IV: Happy Valley
    Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    30. November 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    Happy Valley, 1. Staffel, 6 Folgen,  BBC One, 2014, Sally Wainwright

     

    Ein Vergleichsstück zu Broadchurch: Den Namen gibt eine Kleinstadt in der englischen Provinz, hier ist es Yorkshire. Der Name selbst, Happy Valley, ist weiß Gott ironisch zu nehmen. Apropos Gott: Seinem Blick nah die Einstellung ganz zu Beginn, dann immer wieder die Blicke von oben und draußen, die das psychosoziale Kleinklein, um das die Krimihandlung sich dreht, durch den Kontrast nur umso stärker akzentuieren. Sehr viel weniger als in Broadchurch wird hier ein Mikrokosmus lustvoll entfaltet, sehr viel stärker ist die Konzentration auf die Hauptdarstellerin, eine nach einer Auszeit ins Glied gerückte Polizistin, Catherine Cawood, dezidiert Middle Age, fulminant gespielt von Sarah Lancashire, traumatisiert. Es gibt so wenige heitere Serienpolizisten, ein Jammer. Aber Grund zur Heiterkeit hat auch Catherine nicht: Ihre Tochter hat sich erhängt, nachdem eine Vergewaltigung ihr Leben zerstörte. Der Sohn, der bei dieser Vergewaltigung gezeugt wurde, lebt nun bei der Großmutter, die hadert: mit sich, dem Sohn, der Tochter, der Welt. Aus dem Knast kommt nun der Vergewaltiger, den sie ingrimmig hasst, dem sie alles zutraut, vor allem das Schlimmste. Und in der Tat: Er ist das Böse, sozialpsychologisch herleitbar, aber das Böse so ziemlich schlechthin. Sogleich wieder verwickelt in Kidnapping, Drogengeschäfte, Vergewaltigung, Mord. Und wieder rückt das Verbrechen ihr nahe, allzunahe. Als kleine Nebendissertationen zur Frage, wie es kommt, dass einer in die Dienste des Bösen tritt, figurieren drei Männer, die Täter und Mittäter sind: der abgebrühte Organisator mit Kontakt zu höheren Ebenen, ziemlich schnell aber auch in over his head; ein Angestellter, der sich zu kurz gekommt wähnt; und ein eigentlich moralisch ganz aufrechter junger Mann, der eher des Geldes wegen in den Kriminalzusammenhang gerät, aus dem er nicht mehr herauskommt, als sich alle Stricke zuzuziehen beginnen. Was Happy Valley tut, tut es gut. Britisch hart, auf gängigen Genretopoi verdichteter Sozialrealismus. 


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  • Serienheft Countdown III: Broadchurch
    Am 18. Dezember erscheint unser alljährliches Serienheft. Hier ein Countdown mit Serien, die den Cut nicht geschafft haben.

    21. November 2014, Ekkehard Knörer in: Aktuelle Serie

    Broadchurch, 1. Staffel, 8 Folgen,  ITV, 2013; Showrunner: Chris Chibnall

    Broadchurch

     

    Eine lange Plansequenz, die einer Figur folgt auf ihrem Weg durch die Hauptstraße der kleinen Stadt Broadchurch in Dorset, die der Serie den Namen gibt: ganz zu Beginn. Mark ist der Name des Mannes, gespielt von Andrew Buchan (in The Honourable Woman ist er Nessa Steins Bruder). Es ist sein elfjähriger Sohn, der in diesem Moment, es weiß nur noch keiner, tot, ermordet am Strand liegt. Erst führt die Serie hinein in die Stadt, etabliert diesen Schauplatz, präsentiert en passant einige der Protagonisten. Dreierlei wird Broadchurch dann acht Folgen lang sein: ein police procedural, das von der Annäherung der beiden Ermittler, Ellie Miller (Olivia Colman) und Alec Hardy (David Tennant, der 10. Doctor), erzählt; ein Rätselkrimi, in dessen Verlauf der Schatten eines Verdachts - oder mehr als nur das - auf eine ganze Menge der Bewohner von Broadchurch fällt; und drittens das Porträt dieser Stadt, deren Beziehungen und Institutionen im Lichtkegel eben dieses wandernden Verdachts vorgestellt und erhellt werden. So ganz ohne Knirschen und übertriebenen Aufwand läuft das nicht ab. Das Aufsammeln der roten Heringe und nicht immer subtilen Spuren ist immer wieder auch mühsam. Die Musik macht außerdem immer etwas zu aufgeregt die Pferde scheu, ohne dass sie das müsste. Alec Hardy, der mehr als angeschlagene Ermittler, ist ein Klischee, in dem David Tennant als das Gespenst seiner Figur mitreißend haust. Sieben Folgen lang habe ich geschwankt, ob Broadchurch das Dranbleiben lohnt. Der Payoff am Ende jedoch ist gewaltig: Alles bis zum Moment der Enthüllung des Täters erweist sich als ein kollektivpsychischer establishing shot. Es ist dann die ganze Stadt als Gemeinschaft getroffen, verwundet, geschockt. Darauf lief es hinaus - und diese Schockwelle trifft einen auch. - Bei Fox läuft unter dem Titel Gracepoint gerade das amerikanische Remake, in Kalifornien gedreht, das sich - von der ersten Plansequenz die Straße entlang - sehr eng an das Original anlehnt. Besonders unheimlich: David Tennant als Wiedergänger der ans äußerste Ende der Kräfte gespielten Figur, jetzt mit amerikanischem anstelle des (heftigen) nordenglischen Akzents. Auch dabei ist Nick Nolte. Teilweise zeitgleich wurde die erst nach dem großen Erfolg der ersten ernsthaft geplante zweite Staffel von Broadchurch gedreht.


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  • Hinweis: Die andere Szene

    20. November 2014, Ekkehard Knörer in: Theater

    Hinweis auf ein befreundetes Buch und eine befreundete Veranstaltung: Morgen, Freitag den 21., um 18 Uhr wird das von Stefanie Diekmann herausgegebene Buch Die andere Szene. Theaterarbeit und Theaterproben im Dokumentarfilm vorgestellt - im Roten Salon der Volksbühne in Berlin. Im Buch sind neben Stefanie Diekmann unter anderem Ute Holl/Peter Ott, Mieke Matzke und Simon Rothöhler mit Texten vertreten. (Blick ins Buch beim bösen Amazon.)

    Und bei der Veranstaltung werden (zwei je etwa halbstündige) Filme gezeigt: Eva Könnemanns Tragöden aus der Stadt (mit Fabian Hinrichs) und Lilo Mangelsdorffs The Walk - in Anwesenheit der Regisseurinnen.


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