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  •   23. April 2014  

Aktuelle Print-Ausgabe:
CARGO Film/Medien/Kultur 21
vom 20. März 2014

CARGO 21 Cover, CARGO 20 Cover,

Container

  • Kollektivschuld
    «Herrenpartie» (1964) von Wolfgang Staudte im Österreichischen Filmmuseum

    31. März 2014, Bert Rebhandl in: Deutsches Kino

    HP

    Sieben Spießer in kurzen Hosen und Sandalen machen Urlaub in Jugoslawien. Sie sind Mitglieder der Liedertafel Neustadt, sie sind im Omnibus unterwegs, am Tag ihrer Abreise zurück nach Deutschland stellen sie sich am Hafen einer adriatischen Stadt auf und singen noch einmal kräftig. Auf der Fahrt gibt es allerdings ein Hindernis. Sie werden zu einem Umweg gezwungen, unversehens befinden sich die Touristen in einer Landschaft, die auch zu einem Italo-Western passen würde. Schwarz gekleidete Frauen begrüßen sie mit feindseligen Blicken. Die Deutschen sind hier nicht willkommen, doch es dauert eine Weile, bis sie herausfinden, warum das so ist. Es hat mit Geschichte zu tun. In dem Dorf haben die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs eine Vergeltungsaktion gegen Partisanen durchgeführt. Alle Männer, einige Frauen und sogar Kinder kamen ums Leben. "Ihr habt aus unserem Dorf ein Grab gemacht." Aber was haben die redlichen Sänger aus Neustadt damit zu tun?

    Darum geht es in Wolfgang Staudtes Herrenpartie, einem Versuch über Kollektivschuld und Vergangenheitsbewältigung, über Mentalitäten und über Versöhnung durch Koproduktion (in diesem Fall zwischen Neue Emelka München und Avala Film Belgrad). Götz George spielt den mitgefahrenen Studenten Herbert Hackländer, der den unterschiedlich in den Nazi-Krieg verstrickt gewesenen Männern die zweifelhafte moralische Autorität der freizügigen Wirtschaftswunderordnung entgegenhält. Die Frauen sind nach Typen hierarchisiert: die unversöhnliche Miroslawa, die aus der Zeit gefallene Trauernde Lia, die versöhnungsbereite Seja, die als einzige eine weiße Bluse trägt.

    Die sieben Sänger haben die Morde nicht persönlich auf dem Gewissen, doch Staudte geht es um die Facetten der Ewiggestrigkeit, die sich in Begriffen wie "Vergeltungsmaßnahmen" ("Alle Kulturvölker kennen so etwas") äußern, oder in einem Lied wie "Machen wir eine Landpartie" (das während des Krieges zu Gasmaskenmärschen gesungen wurde). Das Thema ist ernst, doch der Film streift gelegentlich an die Satire, deutsche Philisterei begegnet uns ebenfalls typologisch: der schon zur Feistheit neigende, antifaschistische Jungredakteur, der asketische Buchhändler, der die Liedertafel leitet (Rudolf Platte), der Unrettbare, dem über die Lippen kommt, man hätte doch das Mädchen, das sie über einen Bergpfad geführt hat, "als Geisel" dabehalten sollen.

    Es löst sich alles in Wohlgefallen auf, die Rezeption des Films war aber eisig, der Verleih ging darüber in Konkurs.

    Das Österreichische Filmmuseum zeigt Herrenpartie im Rahmen seines Jubiläumsprogramms 1964 - Wendepunkte des Kinos. Montag, 31.03.2014, 21.00


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  • Diagonale 2014 (III)

    23. März 2014, Cargo

    Im dritten Teil der Diagonaleberichte von Lukas Foerster geht es um den neuen Film von Ivette Loecker, zudem um Mädchen in der Mambo-Bar und einen Film, in dem der Satz fällt: «Manch einem sieht man das Arbeiten ja direkt an; die Wiener dagegen arbeiten sozusagen in der Pause.»


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  • Diagonale 2014 (II)

    22. März 2014, Cargo

    Ein zweiter Diagonalebericht von Lukas Foerster: über Filmfernsehfreunde, Opfer in der ORF-Grafik und Glawoggers Die Frau mit einem Schuh


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  • Diagonale 2014

    21. März 2014, Cargo

     

    Lukas Foerster berichtet für uns von der Diagonale 2014 – ein erster Text über Filme von Murnberger, Pfaffenbichler und Sternberg.


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  • CARGO #21

    20. März 2014, Cargo

    Želimir Žilnik im Gespräch

    Copyright im Medienwandel

    * Was von der Berlinale 2014 bleibt

    * Texte zu: Kolbe/Wright // Spike Jonze // Jacques Rozier //  Lorna Simpson // Michel Serres // Travis Wilkerson uvm.

    Aboprämie: Halfmoon Files / Tag des Spatzen (DVD)


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  • «Six Feet Under» (booklet #11)

    19. März 2014, Cargo in: Aktuelle Serie

     

    Out Now: Stefanie Diekmanns booklet zu Six Feet Under

    «So wie es war, wird es nicht mehr werden. Wie es sein könnte, wissen sie noch nicht. Die Leichen im Keller gehören zum Inventar; an den Toten der anderen lässt sich das Sterben nicht üben...»


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  • Liechti Retrospektive

    14. März 2014, Ekkehard Knörer

    Heute Abend beginnt im Arsenal die Retrospektive der Filme von Peter Liechti. Für das (gerade noch) aktuelle Heft habe ich ein Interview mit dem Regisseur geführt. Den begleitenden Text zu Liechtis Filmen gibt es jetzt auch im Webmagazin.


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  • Böhmische Dörfer
    Ein Film von Peter Zach und Jana Cisar, neu im Kino

    13. März 2014, Bert Rebhandl in: Dokumentarfilm

    Von einem "böhmischen Dorf" spricht man gelegentlich, wenn einem etwas nicht geläufig ist. Das ergibt potentiell schön sinnlose Sätze wie: "Teilchenphysik ist für mich ein böhmisches Dorf." Der aus Österreich stammende, in Berlin lebende Dokumentarfilmer Peter Zach zeigt nun, dass der Satz auch auf böhmische Dörfer selbst anwendbar ist. Wir wissen darüber tatsächlich in den allermeisten Fällen sehr wenig, und das hat seine Gründe vor allem in der Lage dieser Dörfer. Eine Randlage im Herzen Europas, also gewissermaßen doppelt abgelegen - zu zentral, zu regional.

    Zach hat ein persönliches Motiv, seine Frau Jana Cisar, die auch die Produzentin des Films ist, stammt aus Marienbad, wo die Fahrt beginnt. Goethe hat hier ein Denkmal, wegen seiner Elegien. Ein paar Kilometer außerhalb liegt das Dorf Michalovy Hory (Michelsberg), in dem Fritz Altmann lebt, einer der wenigen Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg diese Gegend nicht verlassen mussten. Es ist das ehemalige Sudentendeutschland, in dem es vorkommen konnte, dass eine Frau, die 1946 einen Pass des deutschen Protektorats hatte, acht Jahre mitten in Europa staatenlos werden konnte.

    MK

     

    Es ist die Großmutter von Jana Cisar, der dies widerfuhr, sie besucht für den Film ihr Heimatdorf Tynec und sagt: "Das tut so weh." Ungefähr zur Hälfte erreicht Peter Zach das größte böhmische Dorf, die Stadt Prag. Im Cafe Slavia erzählt Lenka Reinerová von ihren Erfahrungen und kann es kaum fassen, "was alles im Rahmen eines einzelnen Lebens passieren kann". Kriege, Systemwechsel, das alles fasste sie in einem "Prager Deutsch" auf, das charakteristische Unterschiede zum deutschen oder zum Wiener Deutsch kennt. Ein Freund, der dazu kommt, bezeichnet Tschechien als ein "wunderschönes Land wie kaum ein anderes". Die Totalen, mit denen Peter Zach seinen Film strukturiert, wirken wie ein Beweis für diese Behauptung.

    Ein Spaziergang über einen ehemaligen Todesstreifen im Dreiländereck zwischen Tschechien, Bayern und Sachsen deutet dann eine eigentümliche, posthistorische Idyllik an, die Zach und seine Zeit- und Raumzeugen aber nie richtig aufkommen lassen. Trotzdem ist Böhmische Dörfer auch ein Film über die Errungenschaften der europäischen Integration, die hier sehr konkret wird, auch wenn sie an einem Ort wie Hranice (Rossbach) vor allem als massive Belastung durch Autoverkehr wahrgenommen wird, und zwischendurch in einem Nebensatz eines der Motive für diesen Grenztourismus genannt wird ("in den Spitzenzeiten hatten wir hier sieben Bordelle").

    Der Film Böhmische Dörfer ist über einen Zeitraum von ein paar Jahren entstanden, drei der wesentlichen Protagonisten sind inzwischen gestorben, was von ihnen bleibt, ist nicht zuletzt dieses sehr schöne Zeugnis.

    Böhmische Dörfer, D/CR 2013, Regie: Peter Zach, 78 Minuten, läuft ab heute, 13. März 2014, eine Woche im fsk am Oranienplatz


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  • RIP Alain Resnais

    2. März 2014, Ekkehard Knörer


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  • Krieg erzählen
    Veranstaltungshinweis

    19. Februar 2014, Cargo

    Am Donnerstag eröffnet im HKW eine Veranstaltungsreihe zum Thema «Krieg erzählen» – Teil davon ist ein von Cristina Nord kuratiertes Filmprogramm mit Arbeiten von u.a. Marcel Ophüls, Eyal Sivan und Avi Mograbi, die zu Gesprächen anwesend sein werden (hier mehr dazu).


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